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Salmonellen-2_web"Mit dem Geflügelgesundheitsdienst unterwegs"

Ein freiwilliges Programm der Sächsischen Tierseuchenkasse hilft Geflügelhaltern durch Kontrolle und Beratung, entsprechend der Salmonellen-Verordnung das Auftreten der Erreger in ihren Betrieben zu vermeiden.

Ob es Hühnern gut geht, kann man auch hören. „Ein schöner Gesang hier drin", sagt Roland Küblböck. Wäre es zu still, würde etwas nicht stimmen. Das Gackern der Hühner legt sich wie Watte auf die Ohren und vermischt sich mit dem Rattern des Eierbandes. Der Tierarzt vom Geflügelgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchekasse (TSK) läuft ruhigen Schrittes durch den Legehennenstall, der zum Geflügelhof Schwiunteck in der Nähe der nordsächsischen Kleinstadt Schildau gehört. Über die Schuhe hat er sich so genannte Sockentupfer gezogen. Sie nehmen Partikel vom Stallboden auf und werden anschließend an der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen auf Salmonellen untersucht. Das Auftreten dieses zoonotischen Krankheitserregers vermeiden zu helfen, ist Sinn und Zweck von Küblböcks Besuch auf dem Geflügelhof Schwiunteck.

Salmonellen-1-webDer Betrieb nimmt am „Programm zur Reduktion der Salmonellenprävalenz in Sächsischen Geflügelhaltungen durch Beratung und Optimierung der Haltungs- und Produktionshygiene" teil. Der Geflügeltierarzt hat es für die Sächsische TSK entwickelt. Das freiwillige Programm ist eine Reaktion auf die Hühner-Salmonellen-Verordnung und beinhaltet regelmäßige Besuche des Geflügelgesundheitsdienstes, bei denen Küblböck den Betrieb kontrolliert und berät. „Bei der Hühner-Salmonellen-VO steht nicht nur das Produkt im Mittelpunkt, sondern auch die Umgebung, in der es entsteht", erklärt er. Werden Salmonellen im Stall festgestellt, darf das Produkt nicht mehr als Schalenei vermarktet werden. Diesen wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden, ist im Interesse jedes Geflügelhalters. Auch wenn es über den Sinn der Verordnung geteilte Meinungen gibt. „Viele Halter sagen: Die Tiere sind gegen Salmonellose geimpft und haben ihren Schutz, aber trotzdem werden Maßnahmen ergriffen, wenn bei Kontrollen Salmonellen in der Stallumgebung nachgewiesen werden", gibt Tierarzt Küblböck die Einwände von Haltern wieder.

Am Ende des Ganges streift der Tierarzt die Sockentupfer ab, zieht ein neues Paar über. Zurück geht es über den Gang auf der anderen Seite des Stalles. Er wirft prüfende Blicke durch den Stall. Viele Faktoren können Einfluss auf die Vermeidung von Salmonellen haben. Welche Einstreu wurde verwendet und wie ist die Qualität?. Wie dicht sind Türen und andere Öffnungen? Ritzen, durch die Schadnager eindringen können, sind potenzielle Einfallstore für Salmonellen. „Wir hatten zwei Fälle, bei denen Mäuse als Verursacher ermittelt wurden", erzählt Küblböck. „Da hilft das Ausstallen der Hühner bei Salmonellennachweis nichts, wenn nicht auch die Schadnager bekämpft werden, die die Salmonellen in den Stall tragen." Im Vorraum packt der Tierarzt die Sockentupfer in Tüten. Er ist zufrieden. „Von den äußeren Bedingungen ist alles okay", sagt er. „Die Türen sind schadnagerdicht, es gibt überall funktionstüchtige Desinfektionswannen.." Wannen, die trocken oder verschmutzt sind, würden nichts nützen. „Was mir auch wichtig war: Die Futterrinnen und Futterkästen sind abgedeckt." Das verhindert, dass sich Mäuse darin gütlich tun – und das Futter kontaminieren.

Salmonellen-4-webSalmonellen im Betrieb - in Sachsen hat es Geflügelhalter im vergangenen Jahr sechs Mal erwischt. Der Schaden ist in solchen Fällen hoch: Früher konnte man die betroffenen Tiere noch behandeln und die Erreger durch Desinfektion bekämpfen, heute ist die Behandlung gegen Salmonellen verboten und die betroffenen Hennen müssen zeitnah ausgestallt werden. Für eine gewisse Zeit verliert der Betrieb dadurch Einkommen. Wenn die Herde noch jung ist und noch kein Geld verdient hat, sei das ein richtiges Verlustgeschäft, sagt Silke Golz, Inhaberin des Geflügelhofs Schwiunteck, die vor Salmonellenbefall bisher zum Glück verschont blieb. Wie kann sich ein Betrieb schützen? „Hygiene", sagt sie. „Keine fremden Leute in den Stall lassen, vor den Ställen Desinfektionswannen für die Mitarbeiter aufstellen." Ansonsten gebe es nicht viel Spielraum: „Bei Freilandhaltung können die Hühner die Salmonellen auch von draußen reinbringen. Das kann man nicht unterbinden."

Hygiene bringt viel und kostet nur wenig Geld, davon ist Roland Küblböck überzeugt. „Meist ist es eine Erziehungsfrage." Er glaubt, dass das freiwillige Programm der TSK zur Salmonellenvermeidung den Haltern viel bringen kann – „wenn sie die Maßnahmen auch umsetzen, die ich nach den Kontrollen empfehle." Tut der Halter dies pflichtgemäß und treten trotzdem Salmonellen im Betrieb auf, kann er bei der Sächsische Tierseuchenkasse einen Härtefallantrag stellen. „In diesen Fällen würde ich als Geflügelgesundheitsdienst den Antrag in einer Stellungnahme befürworten, so dass der Betrieb zumindest eine teilweise Entschädigung für die Tiere bekommt", erklärt Roland Küblböck .

Für die Halter ist das ein schwacher Trost. Doch ändern können sie es nicht. „Viele schimpfen über die Salmonellen-VO, aber wir haben sie nun einmal", meint Roland Küblböck. „Ich versuche meine Fachkompetenz so einzubringen, dass die Betriebe in Sachsen damit leben können, ohne Probleme zu bekommen."

Karsten Bär (Bauernzeitung)