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 „Den Parasiten auf der Spur“

Projekt zur Erfassung der Belastung von sächsischen Legehennenhaltungen durch Endoparasiten - Situation in sächsischen Hühnerhaltungen

Im Rahmen der Umsetzung der Anforderungen an das Halten von Legehennen nach der Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung vom 22.08.2006 und aus vermarktungsstrategischen Gründen wurden die konventionellen Legehennenhaltungen in Sachsen überwiegend auf alternative Haltungssysteme, also Boden- und Freilandhaltung umgestellt. Die meisten Halter entschieden sich beim Umbau für ein Volierensystem mit mehreren Ebenen. Im Gegensatz zu den Haltungen mit Kotbunkern, die noch vereinzelt in Sachsen vorkommen, wird bei einem Volierensystem ein Großteil des Hühnerkotes über Kotbänder, die sich unter den nutzbaren Ebenen der Voliere  befinden, aus dem Stall entfernt. Jedoch besitzen die Ställe auch Innenscharrräume bei denen nur im Bedarfsfall die Einstreu gewechselt wird. Dort kommt es während der Haltungsdauer zu einer Ansammlung des Hühnerkotes. Durch typische Verhaltensweisen, wie Picken und Scharren in der Einstreu besteht ein permanenter Kontakt der Tiere zu ihren Ausscheidungen. Bei einem Eintrag von Parasiten in den Stall kann man davon ausgehen, dass es zu einer Ausbreitung in der Herde kommt und die Belastung der Hühner durch aufgenommene Endoparasiten zunimmt.

 

Relevante Parasiten

Relevante Endoparasiten bei Hühnern sind einerseits Protozoen, wie  Kokzidien und zum anderen Helminthen, wie Spul- und Bandwürmer.

Man kann die Würmer nach ihren Entwicklungsabläufen in Geo- und Biohelminthen einteilen. Geohelminthen, wie Spulwürmer, sind Parasiten, die keinen Zwischenwirt benötigen. Die Hühner infizieren sich durch die orale Aufnahme von infektionsfähigen Wurmeiern, aus denen im Darm die Wurmlarven schlüpfen. Je nach Art der Parasiten werden dann im Wirtstier unterschiedliche Entwicklungsstadien und Reifungsprozesse durchlaufen. Nach mehreren Wochen sind die Larven zu adulten Würmer gereift, die dann ihrerseits wieder Wurmeier ausscheiden. Somit kann es auch bei einer geschlossenen Bodenhaltung, ohne Kontakt zur Außenwelt, zu einem massiven Wurmbefall der Herde kommen. Hingegen benötigen Biohelminthen, wie Bandwürmer einen Zwischenwirt, um für ihre Endwirte infektionsfähig zu sein. Bei den Zwischenwirten handelt es sich meist um Insekten oder Schnecken, die Wurmeier oder ganze Bandwurmglieder aufnehmen. In den Zwischenwirten läuft dann ein Entwicklungsprozess ab, der die Zwischenstufen der Parasiten zu einem für Hühner infektionsfähigen Stadium entstehen lässt.

 

Folgen des Parasitenbefalls

Durch die steigende Zahl an Freiland- und ökologischen Haltungen ist damit zu rechnen, dass auch wieder vermehrt Biohelminthen auftreten werden.

Im Gegensatz zu bakteriellen oder viralen Krankheitserregern zeigt ein Befall mit Endoparasiten bei Hühnern selten eine klinische Erkrankung. Meist verursacht eine Endoparasitose bei Legehennen eine subklinische, chronische Belastung der Tiere. Selbst der Befall durch krankheitsrelevante Kokzidien führt bei den Tieren, dank der standardmäßigen Impfung in der Aufzucht, nicht mehr zu einer klassischen Kokzidiose. Die Ausprägung eines Krankheitsbildes ist jedoch stark vom Alter des Wirtstieres abhängig. Während Alttiere eine sogenannte Altersresistenz gegen Spulwürmer ausbilden, führt eine Infektion mit Spulwürmern bei Junghennen zu einer deutlichen Erkrankung.

In den meisten Fällen verursacht ein Befall unspezifische Krankheitsanzeichen, wie blasse Kämme, gesträubtes Gefieder und eine Entzündung des Darmes, die sich in einer Durchfallerkrankung manifestiert. Durch die Darmentzündung nehmen die Tiere weniger Nährstoffe auf, und es kommt zu einer verminderten Leistung. Bei Zuchttieren kann neben dem Rückgang der Legeleistung auch eine Verringerung der  Fruchtbarkeit auftreten. In der Literatur ist beschrieben, dass allein bei einem mittelgradigen Befall mit Spulwürmern die Legeleistung um bis zu 25 % sinken kann. Außerdem wird das Immunsystem der Tiere geschwächt, und sie werden somit anfälliger für andere Erkrankungen. Durch diese Immunsuppression kann es zum Beispiel bei latent mit Salmonellen infizierten Tieren auch zum vermehrten Ausscheiden dieser Erreger kommen. Ein massiver Wurmbefall führt durchaus auch zu Todesfällen und eine Kokzidiose kann bei ungeimpften Tieren zu einer Bedrohung des gesamten Bestandes werden.

 

Einschätzung der prophylaktischen Maßnahmen aus Sicht des Geflügelgesundheitsdienstes

Aus diesen Gründen ist es nach Ansicht des Geflügelgesundheitsdienstes für ein gutes Gesundheitsmanagement unerlässlich, den Status der Parasitenbelastung einer Legehennenherde regelmäßig zu kontrollieren. Hierfür sind in bestimmten Abständen Untersuchungen von Sammelkotproben nötig. Abgesehen von einigen wenigen vorbildlichen Betrieben wurden aus sächsischen Hühnerhaltungen in den letzten Jahren jedoch nur sporadisch Kotproben auf Endoparasiten untersucht. Es kam öfter vor, dass im Rahmen von Sektionen eingesendeter Hühner verschiedene Endoparasiten und deren Entwicklungsstadien nachgewiesen wurden.

Diese Parasitennachweise waren in den meisten Fällen nur Nebenbefunde zu dem eigentlichen Einsendungsgrund. Aussagen über die Ausbreitung und die Befallsintensität der Hühnerbestände durch verschiedene Parasiten konnten somit nicht abgeleitet werden.

 

Projekt der Tierseuchenkasse in den Jahren 2011/2012

Um genauere Informationen über das Vorkommen und die Ausbreitung von Endoparasiten in sächsischen Hühnerhaltungen zu erhalten, wurde 2011 ein Projekt durch den Geflügelgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse initiiert. Hierbei wurde erfasst, welche Helminthen und Protozoen mit welcher Häufigkeit in Boden- oder Freilandhaltungen vorkommen. Das Projekt war auf eine Laufzeit von zwei Jahren begrenzt. Die teilnehmenden Legehennenhaltungen wurden repräsentativ aus den gemeldeten Wirtschaftsgeflügelbeständen, den Kleinhaltungen unter 350 Hühner und aus dem Rassegeflügelbereich ausgewählt. Bei der Statuserhebung wurde jede Betriebseinheit oder Herde einmalig beprobt. Je nach Herdengröße wurden eine bis drei Sammelkotproben gezogen. So wurden aus Beständen bis 50 Hühner eine, aus Beständen bis 200 Hühner zwei und aus Herden über 200 Tiere drei Sammelkotproben entnommen.  Durch einen projekteigenen Vorbericht wurden Angaben zu den jeweiligen Beständen erfasst.

Dabei wurde die Herdengröße, die Haltungsform, das Alter der Tiere, die letzte Parasitenuntersuchung und die letzte Entwurmung dokumentiert. Die Proben wurden am Standort Leipzig der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachen untersucht. Die Sammelkotproben wurden makroskopisch auf Bandwurmglieder, sowie mikroskopisch auf Parasiteneier untersucht. Die Kosten für die Laboruntersuchungen wurden durch die Tierseuchenkasse übernommen. Aus den gewonnenen Daten wurden Empfehlungen erarbeitet, um die Tierhalter für das Auftreten von Endoparasitosen zu sensibilisieren, Parasitenkontrollen zu optimieren und Belastung mit Parasiten zu reduzieren. Ziel ist es, durch die Kontrolle der Parasiten die Tiergesundheit und die Stabilität der Leistung zu erhalten oder zu verbessern. Die Teilnahme an dem Programm war freiwillig und stieß im Wirtschaftsgeflügelbereich auf eine gute Resonanz, während sie bei Klein- und Rassegeflügelhaltungen nur wenig Interesse hervorrief.

 

Untersuchungen im Rahmen des Projektes

Unterteilung der 630 Sammelkotproben
Bestandsgröße Haltungsform
  Bodenhaltung Freilandhaltung
< 350 Tiere 63 10% 108 17%
≥ 350 Tiere 337 54% 122 19%

Insgesamt wurden dennoch 630 Kotproben aus 132 Betrieben untersucht. Die Proben wurden nach Haltungsform und Herdengröße eingeteilt. Von den 400 Sammelkotproben aus Bodenhaltungen waren 15 % aus Kleinhaltungen und 86 % aus Haltungen mit mehr als 350 Legehennen. Von den 230 Sammelkotproben aus Freilandhaltungen stammen 47 % aus Kleinhaltungen und 53 % aus Haltungen mit mehr als 350 Tieren (siehe Tabelle 1). Die prozentuale Verteilung der Proben auf größere und kleinere Haltungen zeigt einerseits deutlich mehr Proben aus größeren Bodenhaltungen, was auch die vorherrschende Haltungsform in dem Wirtschaftsgeflügelbereich ist. Andererseits zeigt der hohe Anteil von Proben aus kleineren Freilandhaltungen, dass es sich bei Kleinhaltungen meist um extensive Freilandhaltungen handelt.

 

Ergebnisse des Projekts

Welche Erreger mit welcher Häufigkeit und Ausprägung in den Kotproben nachgewiesen wurden, sind in der Abbildung 1 und 2 dargestellt. Am häufigsten wurden Kokzidien nachgewiesen, die aber in den meisten Fällen geringgradig vorhanden waren.

In keinem der Bestände lag eine Kokzidiose vor. Da alle großen Aufzuchtbestände ausnahmslos gegen Kokzidien geimpft werden, könnte es sich auch um zirkulierende Impfstämme handeln.

Unabhängig davon, ob es sich um Impf- oder Feldstämme handelt, lässt sich die Aussage treffen, dass die Bestände durch die Kokzidienimpfungen ausreichend gegen eine Kokzidiose geschützt sind.

Hohe Nachweisraten gab es auch bei Spulwürmern (Ascaridia), Blinddarmwürmer (Heterakis) und Haarwürmer (Capillaria), wohingegen Bandwürmer nur in 5 Proben nachzuweisen waren.

Teilt man die Untersuchungsergebnisse nach der jeweiligen Haltungsform auf, zeigt sich eine wesentlich höhere Parasitenbelastung bei den Freilandhaltungen (siehe Abbildung 3). Während bei der Untersuchung der 400 Proben aus den Bodenhaltungen in 28 % Spulwurmeier nachgewiesen werden konnten, waren es bei den 230 Proben aus Freilandhaltungen 73 %. Um annähernd festzustellen, wann parasitäre Infektionen auftreten und welche Altersgruppen am stärksten mit Parasiten befallen sind, wurden die Proben nach dem Alter der Herden in verschiedene Gruppen eingeteilt (siehe Abbildungen 4 und 5).

 

Diskussion der Ergebnisse

Es zeigt sich, dass die Belastung mit Spulwürmern bis zur

36. Lebenswoche in den Bodenhaltungen nur vereinzelt auftritt. In der Freilandhaltung kommt es bis zur 36. Lebenswoche mit 37 % schon deutlich häufiger zu einem Nachweis von Spulwurmeier, und bei einzelnen Proben konnte sogar ein hochgradiger Befall festgestellt werden. Dennoch kommt es auch bei den Sammelkotproben aus  Freilandhaltungen ab der 36. Lebenswoche zu einem deutlichen Anstieg auf 74 %, der sich mit zunehmendem Alter auf bis zu 89 % steigert. Die Intensität des Befalls nimmt auch hier deutlich zu. Die Untersuchungen ergaben ein ähnliches Bild für Blinddarm- und Haarwürmer.

Der Vergleich von größeren Haltungen mit kleineren Haltungen ergab in der Freilandhaltung keinen wesentlichen Unterschied hinsichtlich des zeitlichen Auftretens und der jeweiligen Befallsintensität (siehe Abbildungen 6 und 7). Lediglich im Vergleich von größeren und kleineren Bodenhaltungen zeigte es sich, dass Wirtschaftsgeflügelhaltungen mit Rein- Raus- Verfahren, einer professionellen Reinigung und Desinfektion und einem konsequenten Hygienemanagement ihre Bestände vor den Eintrag  von Endoparasiten besser schützen können.

Aus den Vorberichten ging noch hervor, dass von den 132 teilnehmenden Betrieben nur 11 Hühnerhaltungen mehr oder weniger regelmäßig Sammelkotproben auf Parasiten untersuchen lassen. Nur  ein Betrieb entwurmte während der Laufzeit des Projektes.

 

Schlussfolgerungen und Empfehlungen

Bei dem Projekt handelte es sich nur um eine Statuserhebung, die nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit erhebt, dennoch zeigen die Ergebnisse eindeutig, dass  in sächsischen Hühnerhaltungen eine hohe Prävalenz von Endoparasiten vorhanden ist. Aus den Ergebnissen geht hervor, dass es schon relativ früh zu einem Eintrag in die Haltungen kommt, zu einem Zeitpunkt, in dem sich die Herden noch in einer hohen Leistungsphase befinden. Besonders die Untersuchungsergebnisse der Freilandhaltungen lassen vermuten, dass die Tiere sich relativ schnell über belastete Ausläufe infizieren. Da die Ausläufe nur unzureichend zu behandeln sind, kann es über mehrere Haltungsperioden zu einer steigenden Belastung der Böden mit infektionsfähigen Parasitenstadien und anderen Krankheitserregern kommen. Um die Leistungsfähigkeit der Legehennen über die gesamte Haltungsperiode zu erhalten, sollte aus Sicht des sächsischen Geflügelgesundheitsdienstes eine regelmäßige, vierteljährliche Untersuchung der Bestände über Sammelkotproben erfolgen. Je nach Befallsintensität und Alter der Herde ist diese unverzüglich zu entwurmen. Die Ausläufe der Freilandhaltungen sollten zumindest besser wenigstens in der Serviceperiode durch geeignete Maßnahmen, wie Ausbringen von Branntkalk, behandelt werden, um die Erregerkonzentration zu reduzieren. Bei massiven Belastungen ist die oberste Bodenschicht in Stallnähe abzutragen und zu ersetzen. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Befall mit Bandwürmern im Lauf der Jahre bei Freilandhaltungen und anhaltender Nutzung der gleichen Auslauffläche erhöhen wird. Es wird geplant, einzelne Haltungen, die in der Studie einen besonders starken Befall mit Endoparasiten aufwiesen, in ein Folgeprojekt mit Verlaufsuntersuchungen aufzunehmen, um die Parasitenbekämpfung zu optimieren.

 

Roland Küblböck

Geflügelgesundheitsdienst

Sächsische Tierseuchenkasse

Brückenstraße 2

09322 Penig

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