Startseite Geflügelgesundheit Geflügelpest – Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos

Geflügelpest – Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos

Die aktuellen Nachweise von Vogelgrippe bei Wildvögeln an den Küsten und am Bodensee und die ersten Fälle von Geflügelpest in einer Klein- und einer Legehennenhaltung durch hochpathogene aviäre Influenzaviren  (HPAIV) vom Typ H5N8 stellen für Wirtschafts- und Hausgeflügelbestände wieder eine massive Bedrohung dar.

Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit (FLI) hat aufgrund des Vorkommens und der Verbreitung des HPAIV H5N8 in Deutschland und in anderen EU Ländern (Polen, Österreich, Ungarn und Schweiz) das Risiko für den Eintrag durch Wildvögel in Geflügelhaltungen als hoch eingestuft.

Besonders gefährdet sind Geflügelbestände, die in der Nähe von Sammel- und Rastplätzen für Wildvögel liegen oder sich an einem größeren Binnensee oder Fließgewässer befinden.

Die zuständigen Behörden der Landkreise werden nach den Vorgaben der Geflügelpestverordnung eine Risikobewertung erstellen und falls erforderlich eine Aufstallung der Tiere anordnen. Die Anordnungen werden als Pressemitteilungen herausgegeben und in den jeweiligen Tageszeitungen veröffentlicht. Darüber hinaus werden diese in den Schaukästen der Verwaltungsstandorte ausgehangen. Bitte achten Sie auch auf etwaige Mitteilungen auf den Internetseiten der jeweiligen Landratsämter!

Neben dem Gefährdungspotential von Geflügel in Auslaufhaltung haben die Ausbrüche der Geflügelpest in den letzten Jahren gezeigt, dass nicht nur das Geflügel in Freilandhaltungen, sondern auch Tiere in geschlossenen Stallanlagen betroffen waren. Durch eine unzureichende Abschirmung und mangelnde Seuchenprävention können die Erreger auch in die Anlagen eingeschleppt werden.

Um das Risiko der Geflügelpest für ihren Bestand zu minimieren, sollten Sie alle Hygienemaßnahmen zur Abschirmung und Seuchenprävention überprüfen und optimieren. Ziel muss es sein, den Eintrag durch ein lückenloses Hygienemanagement zu vermeiden.

Die folgenden Ausführungen sollen dazu dienen, die eigene Betriebshygiene zu überprüfen und vorhandene Defizite zu erkennen und zu beseitigen.

1. Stallumgebung:
Eine gute Betriebshygiene beginnt bereits im Umfeld des Stalles. Die Umgebung der Ställe sollte aufgeräumt sein und nicht als Lagerplatz dienen. Dort abgelagerte Materialien wie Holz und Baustoffe oder dichter Bewuchs mit Gestrüpp machen das Gebiet um die Ställe für Schadnager attraktiv und dienen ihnen als Deckung und Nistplatz. Es ist dann nur noch eine Frage der Zeit, wann die Schadnager sich einen Zugang in den Stall verschaffen und somit auch Krankheitserreger verschleppen können.                                                                

Betonplatten vor Stalltoren und Türen ermöglichen eine wirkungsvolle Reinigung und Desinfektion, nachdem der Bereich durch Fahrzeuge (zum Beispiel bei der Ein- oder Ausstallung) befahren wurde. Betriebsgelände und Ställe sind vor dem Eindringen von Unbefugten verschlossen zu halten.

2. Stallvorraum:
Falls ein Vorraum vorhanden ist, sollte dieser als Hygieneschleuse dienen und nur Gegenstände enthalten, die für die Betreuung dieses Stalles nötig sind.

Die Desinfektionswanne ist am Eingang so aufzustellen, dass sie nicht übersehen werden kann und ist bei Verschmutzung zu reinigen und mit einem geeigneten Desinfektionsmittel in wirksamer Konzentration neu zu befüllen.

Nur saubere Desinfektionswannen sind funktionstüchtig! Der Vorraum sollte unterteilt werden, um eine deutliche Trennung zwischen dem Bereich zu erreichen, der mit Straßenschuhen betreten werden kann und dem Bereich, der nur mit Stallschuhen betreten werden darf (z. B. Abtrennung einer Fläche vor der Stalltür durch einen Rahmen, in dem die Stallschuhe stehen).

Weiterhin sollte der Vorraum ein Handwaschbecken mit Seife und Einmalhandtücher enthalten sowie die stalleigene Schutzkleidung.  

3. Personalhygiene:
Um die Gefahr des Erregereintrags durch Personen zu minimieren, ist unbefugten Personen der Zugang zum Betriebsgelände und den Ställen zu verwehren.

In jeder Betriebseinheit sind stalleigene Schutzkleidung und Schuhe zu tragen. Bei Betrieben, die verschiedene Tierarten halten, wie zum Beispiel Legehennen, Enten und Schweine, ist-wenn möglich- auf eine strikte Trennung des betreuenden Personals zu achten. Beim Betreten und Verlassen der Betriebseinheit sind die Hände zu waschen.

Die Mitarbeiter müssen über die Bedeutung der Maßnahmen informiert und sensibilisiert werden.  Personalhygiene gilt für alle, besonders auch für den Chef (Vorbildfunktion).

4. Schadnagerbekämpfung:
Schadnager stellen ein hohes Risiko für die Verschleppung von Krankheitserregern dar. Es sind alle Öffnungen und Löcher, durch die Mäuse in den Stall eindringen können, zu verschließen und Rückzugsgebiete auf dem Betriebsgelände (siehe Stallumgebung) zu beseitigen. Die Schadnagerbekämpfung ist dann konsequent durchzuführen. Wichtig ist eine ausreichende Anzahl von Köderboxen mit Giftködern, die von den Schadnagern auch angenommen werden. Mäuse nutzen den Raum in drei Dimensionen. Deshalb ist es sinnvoll, Köder auch auf Kabelsträngen an den Wänden  auszubringen. Zu einer Schadnagerbekämpfung gehören auch regelmäßige Kontrollen der Köder und die Dokumentation.

Eine Rattenbekämpfung sollte auch mit den angrenzenden Tierhaltern abgesprochen werden, da Ratten im Gegensatz zu Mäusen zwischen den Haltungen wandern.  

5. Tränk- und Futterhygiene:
Futter ist so zu lagern, dass eine Kontamination durch Wildvögel oder Schadnager ausgeschlossen werden kann. Wird Futter nicht in geschlossenen Silos gelagert, so sind das lose Futter oder die Futtersäcke in einer geschlossenen Kammer zu  lagern. Futterreste unter den Futtersilos müssen vermieden werden, damit keine Wildvögel angelockt werden.

6. Ausläufe:
Bei der Freilandhaltung besteht durch den Auslauf, in dem sich auch Wildvögel und andere Tiere aufhalten können, ein besonderes Gefährdungspotenzial. Ausläufe sind im Gegensatz zu den Stallungen nicht zu reinigen und nur bedingt zu desinfizieren, deshalb ist besonders auf die Qualität der Ausläufe zu achten. Es darf in Ausläufen kein Futter oder Wasser angeboten werden, damit keine Wildvögel angelockt werden. Vertiefungen, in denen sich Oberflächenwasser sammeln kann, müssen aufgefüllt werden. Falls keine separaten Auslaufluken vorhanden sind und die Tiere nur durch geöffnete  Türen in den Auslauf können, sind diese durch Planen bis auf 40 Zentimeter über den Boden abzuhängen, um das Einfliegen von Wildvögeln in den Stall zu vermeiden.

7. sonstige Hygienemaßnahmen:
Die Lagerung von toten Tieren hat in geschlossenen Behältern und mit Abstand zum Stall zu erfolgen. Bei der Abholung der Tierkadaver sollte das Fahrzeug der Tierkörperbeseitigung nicht das Betriebsgelände befahren.

Das Einstreumaterial muss so gelagert werden, dass keine Kontamination durch Wildvögel, Schadnager oder Haustiere erfolgen kann.  

8. Maßnahmen bei erhöhten Verlusten:
Treten innerhalb von 24 Stunden in einem Geflügelbestand Verluste von 

1.      mindestens drei Tieren bei einem Bestandsgröße von bis zu 100 Tieren oder
2.      mehr als 2 % der Tiere des Bestandes bei einer Bestandsgröße von mehr als 100 Tieren

auf oder kommt es zu einer erheblichen Veränderung der Legeleistung oder der Gewichtszunahme, so hat der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt zu informieren und durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit einem hoch- oder niedrigpathogenen AI Virus ausschließen zu lassen.

Treten bei Beständen mit Enten und Gänsen über einen Zeitraum von mehr als 4 Tagen

1.      Verluste von mehr als der dreifach üblichen Sterblichkeit der Tiere des Bestandes ode
2.      eine Abnahme der üblichen Gewichtszunahme oder Legeleistung von mehr als 5 % ein,

so hat der Tierhalter unverzüglich das Veterinäramt zu informieren und durch einen Tierarzt das Vorliegen einer Infektion mit einem hoch- oder niedrigpathogenen AI Virus ausschließen zu lassen.

All diese Maßnahmen dienen dazu, die Haltungshygiene und die Seuchenhygiene zu optimieren, um somit die Gefahr eines Eintrags von Aviären Influenzaviren oder anderen Krankheitserregern in Ihre Haltung zu minimieren. Unabhängig von den aufgeführten Empfehlungen sind die Vorgaben der geltenden Geflügelpestverordnung einzuhalten.

Geflügelgesundheitsdienst
Roland Küblböck
Brückenstr. 2
09322 Penig
0351 8060873
0171 4836087