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Der Schweinegesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse warnt vor der Afrikanischen Schweinepest

Das aktuelle Niveau der Seuchenprophylaxe sollte von jedem Schweinehalter überprüft und verbessert werden.

Ungewöhnliche Erkrankungen und erhöhte Verluste müssen erfasst und durch sofortige  Einsendungen von Schweinen zur Sektion abgeklärt werden.

Bereits im August 2012 wurden auch die Schweinehalter in Sachsen durch Pressemitteilungen aufgeschreckt, dass die Afrikanische Schweinepest schon in der Ukraine in mehreren Beständen nachgewiesen wurde, somit  „vor den Toren“ der Europäischen Union steht und auch nach Deutschland eingeschleppt werden könnte.

Mit dem Nachweis im Januar 2014 bei Wildschweinen in Litauen ist diese Schweineseuche jetzt im EU-Gebiet angekommen. 

Die aktuellen Information (siehe unten) zum Nachweis der Afrikanischen Schweinepest nehmen auch wir als Schweinegesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse zum Anlass, auf diesem Wege nochmals vor den verheerenden Folgen für die Schweineproduktion durch Afrikanische Schweinepest in Deutschland und auch in Sachsen zu warnen und zu erhöhter Wachsamkeit bei ungewöhnlichen Erkrankungsbildern in Schweinebeständen und bei der seuchenprophylaktischen Absicherung der Schweinebestände aufzurufen.

Hier einige aktuelle Informationen zur Afrikanischen Schweinepest:

Die Bundestierärztekammer warnt  vor Tierseuche  am 30. Januar 2014:                                                                      

Afrikanische Schweinepest in der EU angekommen

Bereits im Juni vergangenen Jahres warnte die Bundestierärztekammer (BTK) vor den Gefahren einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest. Jetzt hat sich die Befürchtung bestätigt: Die äußerst gefährliche, weil hoch ansteckende, Tierseuche ist in der EU angekommen.  Wie die örtliche Veterinärverwaltung berichtete, wurden im Litauischen Bezirk Alytus, im Dreiländereck Polen, Litauen, Belarus, verendete Wildschweine gefunden, die mit dem Virus infiziert waren. „Unsere Prognose hat sich nun aufs Schrecklichste bewahrheitet. Die Gefahr einer Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland ist jetzt größer denn je. Wir appellieren darum an alle schweinehaltenden Betriebe, striktes Hygienemanagement zu beachten“, erklärt Prof. Dr. Theodor Mantel, Präsident der Bundestierärztekammer.  Dazu gehöre, entsprechend der Schweinehaltungshygieneverordnung, nun besonders auf Biosicherheitsmaßnahmen zu achten. Gehäufte Krankheits- und Todesfälle müssten sofort dem behandelnden Tierarzt und dem Veterinäramt gemeldet werden, Transportfahrzeuge sind sorgfältig zu reinigen und zu desinfizieren. Auch Jäger sind nun zu erhöhter Sorgfalt angehalten: Wenn sie verendetes Schwarzwild finden, muss es so gesichert werden, dass kein Kontakt mit dem toten Tier mehr möglich ist. Der Fund sollte unverzüglich dem Veterinäramt mitgeteilt werden.

Weil das Virus sehr widerstandsfähig ist, hält es sich in gekühltem Fleisch mehrere Wochen und in gefrorenem Fleisch sogar jahrzehntelang. Auch in gepökelten und geräucherten Waren wie Salami kann der Erreger monatelang überleben. Lebensmittelreste, die Schweinefleisch enthalten und auf Raststätten achtlos weggeworfen werden, können so die Tierseuche auf heimische Wildschweine übertragen. „Weil die Afrikanische Schweinepest in Deutschland bisher nie aufgetreten ist, sind die hiesigen Schweinebestände völlig ungeschützt. Ein Ausbruch würde katastrophale Folgen haben, denn zur Bekämpfung steht kein Impfstoff zur Verfügung, infizierte Schweine verenden innerhalb einer Woche“, befürchtet Mantel. Die einzige Möglichkeit der Bekämpfung sei das Keulen, also das Töten und unschädliche Beseitigen ganzer Tierbestände. Die Bundestierärztekammer weist ausdrücklich darauf hin, dass von der Tierseuche keine Gefahr für den Menschen ausgeht.

 

Pressemitteilung des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vom 7. Februar 2014:

Afrikanische Schweinepest bei Wildschweinen in Litauen

Reisende werden dringend darauf hingewiesen, keine tierischen Erzeugnisse aus den betroffenen Gebieten mitzubringen. Im südlichen Teil Litauens, nahe der Grenze zu Weißrussland, ist im Januar bei zwei Wildschweinen Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt worden. Die deutschen Behörden beobachten die Situation mit erhöhter Aufmerksamkeit. Für Reisende, insbesondere auch Fernfahrer, gilt der dringende Hinweis, auf keinen Fall Lebensmittel tierischer Herkunft oder Reiseproviant insbesondere aus dem betroffenen Gebiet in Litauen mitzubringen. Das Virus ist für den Menschen ungefährlich. Da es sehr widerstandsfähig ist, hält es sich aber lange u.a. auf Lebensmitteln. Werden diese als Speiseabfälle an Haus- oder Wildschweine verfüttert, kann der Erreger auch in hiesige Bestände gelangen. Auch in frei zugänglichen Müllbehältern an Autobahnraststätten sollten solche Reste nicht entsorgt werden. Schweinehaltern empfehlen die Behörden die Einhaltung der allgemeinen Biosicherheitsmaßnahmen. Dazu gehören etwa Beschränkungen des Personen- und Warenverkehrs in Betrieben, die Verwendung betriebseigener Schutzkleidung sowie die Reinigung und Desinfektion der Transportfahrzeuge. Bei Tieren ist die Afrikanische Schweinepest unheilbar.

Im Seuchenfall ist der gesamte Tierbestand zu töten und unschädlich zu beseitigen. Diese enormen wirtschaftlichen Schäden für die Tierhalter werden verschärft durch großflächige Schutzzonen mit strengen Handels- und Transportverboten. Hauptüberträger sind lebende Schweine, aber auch Transportfahrzeuge und insbesondere eingeführte Lebensmittel und Speiseabfälle. Die Afrikanische Schweinepest ist in Deutschland bisher nie aufgetreten. Allerdings wurde die Tierseuche 2007 aus Georgien nach Armenien, Aserbaidschan und schließlich in die Russische Föderation eingeschleppt.  Von dort breitete sie sich in die Ukraine und nach Weißrussland aus, wo im Juni 2013 Fälle nahe der polnischen EU-Außengrenze gemeldet wurden.

 

Konkrete Hinweise und Empfehlungen des Schweinegesundheitsdienstes  der Sächsischen Tierseuchenkasse zur Verbesserung  des Seuchenschutzes 

Um die Einschleppung dieser Seuche in sächsische Betriebe zu verhindern, müssen alle Absicherungsmaßnahmen überprüft und verstärkt werden. Die Zaunführung um den Betrieb sollte  kontrolliert und die Stallzugänge verschlossen sein, damit Wildschweine oder unbefugte Personen zum Objekt keinen Zugang finden. Die Verfütterung von Küchenabfällen ist zwar gesetzlich verboten und wird streng reglementiert, aber hier wird an die Eigenverantwortung der Schweinehalter appelliert, diese Vorschrift in jedem Fall auch einzuhalten. Ungewöhnliche oder von der Norm abweichende Erkrankungen in den Schweinehaltungen, die mit Fieber oder dem Anstieg der Tierverluste einhergehen, müssen exakt erfasst und abgeklärt werden. Die Tierseuchenalarmpläne sollten hinsichtlich der Adressen und Telefonnummern der Behörden und Ansprechpartner aktualisiert werden und die Mitarbeiter in den Ställen zum Seuchenschutz mit Unterschrift belehrt werden. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre traten Seuchen in den Schweinebeständen vielfach kurz vor oder zu den Feiertagen auf und wenn Vertretungen im Stall arbeiteten. Dabei kann es schnell zu Informationslücken kommen. Besonderer Aufmerksamkeit bedarf auch das Abholen verendeter Schweine durch die TKBA. Das Kadaverhaus und der Standort des Fahrzeuges sollten jedes Mal  gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Die Zahl an Schweinen aus sächsischen Betrieben, die an der LUA Sachsen zur Abklärung der Todesursachen eingeschickt und untersucht werden, ist nach unserer Auffassung immer noch nicht ausreichend, um eine seuchenhafte Erkrankung schnell und wirksam diagnostizieren zu können. Bitte, senden Sie häufiger Tiere zur Untersuchung ein. Sauen und schwere Mastschweine können mit einem extra dafür angeschafften TBA-Fahrzeug nach  Anmeldung abgeholt und an die LUA Sachsen zur Sektion verbracht werden. Bei der Afrikanischen Schweinepest treten auch vermehrt Aborte bei den Sauen auf. Die Einsendung von Blutproben oder Abortmaterial unterstützt hier die Diagnose.

Bei Sektionen werden die Schweine neben Klassischer Schweinepest auch auf Afrikanische Schweinepest untersucht.

Die Tierseuchenkasse übernimmt über das Sektions- und Abortprogramm den größten Teil der Untersuchungskosten verendeter Tiere. Informieren Sie bei  von der üblichen Norm abweichenden Erkrankungen und Verlusten auch rechtzeitig Ihren Hoftierarzt, der dann mit entscheiden kann, ob der Amtstierarzt oder Schweinegesundheitsdienst zur Abklärung des Geschehens hinzugezogen werden sollte.

Bei Problemen in der Seuchenabsicherung, der Hygiene oder zur Abklärung von Verlusten steht Ihnen der Schweinegesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse gern zur Verfügung.

 

Informationen zur  Verbreitung und dem klinischen Verlauf der Afrikanischen Schweinepest

bis zum August 2012

Im „Deutschen Tierärzteblatt“ Nr.7/2011 wurde im Beitrag von Dr. Sandra Blome und weiteren Autoren die Afrikanische Schweinepest („Exotische Tierseuche vor den Toren der Europäischen Union“) umfassend beschrieben und kann unter folgendem Link dort abgerufen werden:

http://www.bundestieraerztekammer.de/index_dtbl_presse_details_gs.php?X=20120230000155

Die nachfolgenden Ausführungen zur Verbreitung und dem klinischen Verlauf dieser Erkrankung sind der oben genannten Veröffentlichung entnommen oder lehnen sich an diese an.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) gehört zu den wichtigsten viralen Erkrankungen des Schweines und ist national und international anzeigepflichtig. Wie die Klassische Schweinepest (KSP), von der sie klinisch nicht zu unterscheiden ist, kann die ASP sowohl mit perakuten Todesfällen und schweren hämorrhagischen Syndromen als auch chronischen Erkrankungsbildern einhergehen. Ein Impfstoff ist nicht verfügbar. Die ASP ist in den meisten Ländern Afrikas südlich der Sahara endemisch. Darüber hinaus waren in den 1980er Jahren einige Länder Südamerikas und der Karibik betroffen, welche  die Erkrankung jedoch tilgen konnten. In Europa trat sie bisher vor allem auf der Iberischen Halbinsel und auf Sardinien auf. Einzelne Ausbrüche wurden auch in Belgien, den Niederlanden, Frankreich und Malta verzeichnet. Während sie in den meisten europäischen Ländern erfolgreich bekämpft werden konnte, ist die Infektion auf Sardinien inzwischen endemisch. 2011 und 2012 traten in Sardinien

50 Ausbrüche von ASP bei Hausschweinen und 35 bei Wildschweinen auf.

In Deutschland ist die ASP bisher nicht aufgetreten.   

Die seit 2007 in der Kaukasusregion und Russland diagnostizierten Fälle von ASP haben die bisher in Europa exotische Erkrankung in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Ausgehend von Georgien, konnte sich die Seuche nach Armenien, Aserbaidjan und Russland ausbreiten. Die Seuchenausbrüche in Russland zeigten eine klare Ausbreitungstendenz nach Norden und Westen. Die bisherige Ausbreitungsgeschwindigkeit lag im Durchschnitt bei ca. 360 km pro Jahr. Die ASP konnte sich in den vergangenen Jahren von der Kaukasusregion ausgehend in Russland nach Norden und Westen und damit auch in Richtung der baltischen EU-Mitgliedstaaten, der Ukraine und Weißrussland weiterverbreiten. Trotz des in Europa geltenden Verbots, Speiseabfälle an Schweine zu verfüttern,

ist ein Kontakt nicht auszuschließen. Das Risiko des Eintrags aus der Russischen Föderation über direkten Kontakt der Wildschweinepopulationen ist ebenfalls gegeben.

Im Jahr 2011 gab es mehrere Ausbrüche, die unweit der Grenzen der Europäischen Union lagen, und nun seit Juli 2012 aktuelle Ausbrüche in der Ukraine.

 

Klinische und pathologisch-anatomische Symptome der Afrikanischen Schweinepest

Die Kenntnis des klinischen und pathologisch-anatomischen Bildes der Seuche ist von großer Bedeutung, da nur eine schnelle Diagnose die erfolgreiche Bekämpfung garantiert.

Beeinflusst durch verschiedene Wirtsfaktoren (Alter, Rasse, Gesundheitsstatus) und die Virulenz des ASP-Virus treten nach einer Inkubationszeit von durchschnittlich drei bis 15 Tagen verschiedene Verlaufsformen auf. Es können perakute, akute, subakute und chronische Verläufe unterschieden werden, wobei die Grenzen zum Teil verwischen. Bei perakuten Verlauf kommt es ohne vorherige Krankheitsanzeichen zum plötzlichen Tod der betroffenen Tiere. Die akute Verlaufsform geht nach einer kurzen Inkubationszeit mit  hohem Fieber, Futterverweigerung, Abgeschlagenheit bis hin zu komatösen Zuständen,  schleimig-eitriger Konjunktivitis, Erbrechen, Durchfall, Hautrötungen und Zyanosen der den Ohren und Gliedmaßen einher. Trächtige Sauen können in jedem Stadium der Trächtigkeit verferkeln. Kurz vor dem Tod treten häufig ausgedehnte Zyanosen und Bewegungs-störungen auf, die sich bei Erregung des Tieres verstärken. Der Tod tritt in der Regel nach sechs bis 13 Tagen ein, wobei die Mortalität bei Hausschweinen aller Altersstufen 100 % betragen kann. Überlebende Tiere können lebenslange Virusträger sein.

Subakute Verläufe sind regelmäßig nach Infektion mit weniger virulenten Stämmen zu verzeichnen. Im Vordergrund stehen zeitweilig zurückgehendes Fieber, Konditionsverlust, Fressunlust und respiratorische Symptome.

Trächtige Sauen können auch bei dieser Verlaufsform in allen Trächtigkeitsstadien verferkeln.

Die Mortalität beträgt ca. 30 bis 70 %, wobei der Tod nach 15 bis 45 Tagen eintritt.

 

Zu den pathologisch-anatomischen Befunden gehören, je nach Krankheitsverlauf, Pneumonien, fibrinöse Pleuritiden und Perikarditiden sowie vergrößerte und hämorrhagische Lymphknoten.

Schwach virulente Virusisolate lösen unter Umständen eine chronische Verlaufsform aus, die ausschließlich mit unspezifischen Symptomen einhergeht. Dazu gehören Gewichtsverlust, Wachstumsverzögerung, Kümmern, respiratorische Symptome, die häufig auf Sekundärinfektionen zurückzuführen sind, und Lahmheiten. Untersuchungen ergaben, dass der in Russland und der Kaukasusregion aufgetretene Virusstamm eine hohe Virulenz für Haus- und Wildschweine besitzt.

Die Mortalität lag bei 100 % innerhalb von sieben Tagen nach dem Auftreten erster Symptome.

Im Vordergrund des Krankheitsbildes standen schwere, unspezifische Symptome, die denen septikämischer Erkrankungen glichen. Hohes Fieber wurde begleitet von Apathie, Futter-verweigerung  und Blaufärbung der Ohren und Gliedmaßen. In einigen Fällen traten zudem wässrige bis blutige Durchfälle und Atemprobleme auf. Sowohl  Haus- als auch Wildschweine verstarben innerhalb einer Woche nach dem Auftreten erster Symptome. Der in Russland vorherrschende Virusstamm ist sowohl für Haus- als auch für Wildschweine aller Altersklassen hoch virulent und führt innerhalb von etwa einer Woche nach einem schweren, unspezifischen Krankheitsbild zum Tode der betroffenen Tiere.

Treten die oben beschriebenen Symptome in einem Schweinebestand auf, ist der Tierhalter verpflichtet, umgehend das zuständige Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt (LÜVA) zu informieren.

 

Stand: 10. Februar 2014, DVM Isaak