Startseite Schweinegesundheit Die Afrikanische Schweinepest hat Tschechien erreicht!

Die Afrikanische Schweinepest hat Tschechien erreicht!

Nach den alarmierenden Funden von an Afrikanischer Schweinepest (ASP) verendeten Wildschweinen Ende Juni 2017 in Tschechien sollen auf diesem Wege für die sächsischen Schweinehalter aktuelle Informationen zu dieser anzeigepflichtigen Tierseuche, den möglichen Verbreitungswegen und zu Maßnahmen, wie der Schweinebestand geschützt werden kann, zusammengefasst werden.
 
Informationen zum Erreger
Bei dem Erreger der ASP handelt es sich um ein behülltes DNA-Virus aus der Familie der Asfarviridae. Die Infektion betrifft ausschließlich Haus- und Wildschweine, für andere Tierarten und den Menschen besteht keine Ansteckungsgefahr. Besonders bemerkenswert ist, dass das Virus sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse ist, es übersteht sogar den Verwesungsprozess. Im pH-Bereich zwischen 3,0 und 13,4 ist das Virus stabil. Dies stellt hohe Anforderung an die Desinfektion im Seuchenfall. Wirksam sind beispielsweise Ameisen-, Peressigsäure oder Formalin. In Schlachtkörpern und Blut ist das Virus monatelang, in Gefrierfleisch sogar jahrelang vermehrungsfähig (EFSA 2010). Um es in Fleischerzeugnissen zu inaktivieren muss eine Kerntemperatur von 69°C erreicht werden (DEPPNER et al., Prakt. Tierarzt 2016).
 
Klinisches Bild
Klinisch ist die ASP nicht von der Klassischen Schweinepest zu unterscheiden. Alle Altersklassen von Haus- und Wildschweinen sind betroffen. Die Infektion erfolgt in der Regel durch die orale Aufnahme von infektiösem Material, wie Blut oder Kadaver infizierter Tiere bzw. infizierter Speisereste. Besonders viel Virusmaterial ist im Blut infizierter Schweine enthalten, so dass theoretisch ein Tropfen Blut ausreicht, um ein Schwein zu infizieren. Etwa 4 Tage nach der Infektion treten Symptome auf, dazu gehören vor allem hohes Fieber (bis 42 °C), Abgeschlagenheit, Fressunlust, Verfärbung der Haut, Aborte, Atemnot, Durchfall, Bewegungsstörungen. Plötzliche Todesfälle ohne vorherige Symptome sind ebenso möglich. 90-100 % der erkrankten Tiere verenden innerhalb von 2 Wochen nach Beginn der Erkrankung.
 
Kontagiösität
War man bisher davon ausgegangen, dass es sich bei der ASP um eine hochansteckende Tierseuche handelt, so musste diese Ansicht inzwischen wiederlegt werden. DEPPNER et al. (Prakt. Tierarzt 2016) sprechen von einer nur geringen Kontagiösität besonders in Anfangsstadium der Erkrankung, das heißt solange noch kein Tier verendet ist. Damit muss mit einer langsamen Ausbreitung der Infektion im Bestand und damit auch mit zunächst nur wenigen klinisch kranken Tieren gerechnet werden. Dies würde zwar die Bekämpfung im Hausschweinebestand erleichtern, da genügend Zeit bleibt, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten, bezüglich des Erkennens der Infektion im Bestand ist das jedoch von Nachteil. Im Anfangsstadium der Infektion besteht somit die Gefahr, die Erkrankung zu übersehen. Aus diesem Grund ist sowohl eine genaue Tierbeobachtung als auch die Abklärung von fieberhaften Allgemeinerkrankungen und Tierverlusten von entscheidender Bedeutung. Alle über das Abortprogramm der Sächsischen Tierseuchenkasse eingesandten Feten und Blutproben sowie alle über das Sektionsprogramm eingesandten Schweine werden an der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen regulär auf das Virus der ASP untersucht. Sächsische Schweinehalter sollten diese Möglichkeit in Zukunft noch stärker nutzen!
 
Schutz vor Einschleppung der ASP in den Hausschweinebestand
Für den Schutz sächsischer Hausschweinebestände vor der ASP ist die Einhaltung von
Biosicherheitsmaßnahmen entsprechend der Vorgaben der Schweinehaltungshygieneverordnung
von entscheidender Bedeutung. Dazu gehört unter anderem einen möglichen Kontakt von
Hausschweinen zu Wildschweinen unbedingt zu vermeiden, ob nun direkt oder über Futtermittel und
Einstreu. Der Personenverkehr sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Betriebsfremde Personen
dürfen den Bestand nur mit betriebseigener Schutzkleidung und Stiefeln betreten. Die Schwarz-
Weiß-Trennung muss strikt eingehalten werden. Arbeitsgerätschaften und mobile Geräte dürfen nur
im eigenen Bestand genutzt werden. Besondere Sorgfalt ist darauf zu verwenden, dass alle
Transportfahrzeuge, die den Hof anfahren, entsprechend gereinigt und desinfiziert sind.
Schlachttransportfahrzeuge sind am Schlachthof sorgfältig zu reinigen und zu desinfizieren.
 
Ein besonders Risiko geht von kleinen und Kleinsthaltungen aus, da hier die seuchenhygienische
Absicherung oft nicht oder nur unzureichend gegeben ist. Letztendlich müssen zur Verhinderung
eines Seucheneintrages auch hier die Mindestanforderung der Schweinehaltungshygieneverordnung
umgesetzt werden. Diese beinhalten vor allem die Verhinderung des Kontaktes der Hausschweine zu
Wildschweinen. Einstreu und Futter muss für Wildschweine unzugänglich gelagert werden. Haben
die Schweine Auslauf so muss das dem zuständigen Veterinäramt durch den Tierhalter gemeldet
werden. Aus Sicht des Schweinegesundheits-dienstes wäre hier eine Doppelumzäunung zu
empfehlen. Der Zugang von Personen sollte beschränkt werden und die Reinigung und Desinfektion
des Schuhwerkes vor und nach Betreten des Stalles erfolgen. Besser ist hier, ausschließlich
stalleigenes Schuhwerk zu verwenden. Die Verfütterung von Küchenabfällen ist in Deutschland
verboten! Hier sei an die Eigenverantwortung der Schweinehalter gerade auch im Interesse der
eigenen Tiere appelliert, dies auch einzuhalten.
 
Laut sächsischem Ausführungsgesetz zum Tiergesundheitsgesetz vom 9.7.2014 sind Tierhalter
verpflichtet (§8) einen betrieblichen Maßnahmenplan zu erstellen, in dem für den Seuchenfall nötige
Zuständigkeiten und Maßnahmen geregelt werden. Eine Vorlage zur Erstellung eines solchen
betrieblichen Maßnahmenplans finden Sie auf der Internetseite der Sächsischen Tierseuchenkasse
Datei sind auch ein Tierseuchenalarmplan und die Vorgaben aufgelistet ab wann z.B. bei fieberhaften
Erkrankungen der Hoftierarzt hinzugezogen werden muss. Tierbesitzer und Tierärzte sind laut §9
Tierseuchengesetz dazu verpflichtet, bei Verdacht auf das Vorhandensein einer anzeigepflichtigen
Tierseuche umgehend das zuständige Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt zu informieren.
Die in den Betrieben bereits vorhandenen Maßnahmenpläne sollten auf Aktualität geprüft und
jedem Mitarbeiter bekannt und zugänglich sein.
 
Jagdlich aktive Schweinehalter
Schweinehalter die auch jagdlich aktiv sind, müssen eine strikte Trennung zwischen Schweinehaltung
und Jagdausübung einhalten. Dazu gehört vor allem, dass jagdliche Bekleidung sowie Schuhwerk
räumlich getrennt von und Stallkleidung aufbewahrt werden muss. Nach der Jagd sollte der
Schweinestall nur nach Duschen, Händedesinfektion und komplettem Kleidungswechsel betreten
werden. Jagdhunde haben im Schweinestall nichts zu suchen! Erlegte Wildschweine müssen räumlich
getrennt von der Schweinehaltung gelagert werden.
 
Die Gefahr durch Wildschweine
Das Risiko, dass die ASP zunächst in die deutsche Wildschweinpopulation eingeschleppt wird, erscheint vor dem Hintergrund der neusten Fälle in Tschechien wahrscheinlicher als ein Eintrag in die Hausschweinebestände (Risikobewertung FLI, 12.7.2017).
 
Aus den ASP-Fällen in den betroffenen Gebieten Osteuropas lassen sich zwei Ausbreitungstendenzen erkennen. Zum einen verhält sich die Seuche in der Wildschweinepopulation eher ortsgebunden, da die Tiere erst im Endstadium der Infektion ansteckend sind und dann infolge der Schwere der klinischen Symptome nicht mehr weit laufen können. Die Infektion erfolgt so wahrscheinlich vorrangig durch Kontakt von gesunden Wildschweinen mit den infektiösen Kadavern bzw. dem kontaminierten Erdboden unter und um den Kadaver. Auf diesem Wege breitet sich die ASP langsam aus. Zum anderen kam es immer wieder zu Infektionen über große Distanzen durch den Menschen. Das größte Risiko stellt hier das Entsorgen von kontaminierten Fleisch- und Fleischerzeugnissen bzw. Speiseresten dar, die durch Personen aus Ausbruchsgebieten wie z.B. Polen, Ukraine, Estland oder Lettland eingeführt wurden und dann von Wildschweinen aufgenommen werden.
Problematisch ist, dass Kadaver nur schwer auffindbar sind. Die extrem hohe Wildschweindichte in Deutschland könnte zu einer raschen Verbreitung innerhalb der Wildschweinpopulation beitragen.
Jagdausübungsberechtigte haben gemäß § 2 Nr. 1a Schweinepest-Monitoring-Verordnung vom 9.11.2016 Proben (Blut und / oder Organproben) von allen im Rahmen der Jagdausübung verendet aufgefundenen Wildschweinen und von erlegten Wildschweinen mit klinischen oder mit bloßem Auge erkennbaren pathologisch-anatomischen Auffälligkeiten zu entnehmen und an der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen untersuchen zu lassen.
 
Die aktuelle Situation in Tschechien
Mit Stand vom 11.7.2017 sind aus Tschechien bereits 25 ASP-Fälle bei Wildschweinen gemeldet worden. Hausschweinebestände sind bisher nicht betroffen. Die Funde in Tschechien liegen 400 – 500 km entfernt vom nächsten bekannten Verbreitungsgebiet der ASP. Einige der verendeten Tiere wurden in der Nähe einer großen Straße gefunden (Risikobewertung FLI, 12.7.2017). Es ist am wahrscheinlichsten, dass hier eine Verbreitung der Seuche durch den Menschen z.B. durch kontaminierte Speiseabfälle stattgefunden hat.
 
Entschädigung im Seuchenfall
Im Seuchenfall kann der betroffene Betrieb von der Sächsischen Tierseuchenkasse Entschädigungen in Höhe des gemeinen Wertes der Tiere erhalten. Entschädigt werden Tiere, die nach Anzeige des Verdachtes auf ASP im Bestand verendet sind bzw. einer amtlichen Tötungsanordnung unterlagen. Die bei der Verwertung oder Tötung eines Tieres entstehenden Kosten werden zusätzlich zur Entschädigung erstattet. Voraussetzung für eine Entschädigungszahlung ist die korrekte Meldung des am Stichtag (1. Januar) vorhandenen Tierbestandes bzw. eine entsprechende Nachmeldung im Laufe des Jahres (siehe Beitragssatzung der Sächsischen Tierseuchenkasse). Der Anspruch auf Entschädigung erlischt bei nicht korrekter Meldung und Beitragszahlung sowie bei schuldhaften Verstößen gegen tierseuchenrechtliche Vorschriften. Bereits nicht eingehaltene Fristen zur Meldung und Beitragszahlung führen zu empfindlichen Kürzungen einer Leistungserstattung im Tierseuchenfall.
 
Bei Fragen kontaktieren Sie bitte den Schweinegesundheitsdienst!
Für weitere Informationen zum Thema ASP sei auch auf die Internetseite des FLI verwiesen (https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/afrikanische-schweinepest/). Hier finden sich sowohl die aktuelle Risikobewertung zur ASP als auch regelmäßig aktualisierte Karten.
 
Dr. Daniela Haser
Schweinegesundheitsdienst
Stand Juli 2017