Startseite Schweinegesundheit Merkblätter & Veröffentlichungen Die bildgebende Ultrasonografie – ein wertvolles diagnostisches Instrument im Rahmen des Fruchtbarkeitsmanagements in Sauenherden

ultra1Die bildgebende Ultrasonografie – ein wertvolles diagnostisches Instrument im Rahmen des Fruchtbarkeitsmanagements in Sauenherden

Die bildgebende Ultraschalluntersuchung als klinische Untersuchungsmethode eignet sich in Sauenherden insbesondere zur Abklärung gynäkologischer Fragestellungen wie z.B.

  • Monitoring des Ovulationsverhaltens und Kontrolle des Besamungszeitpunktes
  • Diagnose der Frühträchtigkeit ab dem 21. Trächtigkeitstag
  • gynäkologische Diagnostik bei Problemsauen sowie
  • Kontrolle des Pubertätseintritts und Evaluierung des Eingliederungsregimes der Jungsauen,

weiterhin aber auch zur Messung der Seitenspeckdicke, eines in direktem Zusammenhang zur Fruchtbarkeit stehenden Parameters.

Monitoring des Ovulationsverhaltens und Kontrolle des Besamungszeitpunktes

Die sonografische Eierstocksdiagnostik (Abbildung 1) ermöglicht ein Monitoring des Ovulationsverhaltens und ist damit ein wertvolles Hilfsmittel zur Bestimmung des optimalen Besamungszeitpunktes. Die Ovulation ("Eisprung") erfolgt bei der Sau relativ konstant zu Beginn des letzten Drittels der Rausche, wobei die Besamung noch vor dem Eisprung (0 bis 16 Stunden vor der Ovulation) erfolgen sollte. Da aber die Brunstdauer zwischen den einzelnen Sauen erheblich schwankt, ist der exakte

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Abbildung 1: Ultrasonografische Darstellung des Eierstocks einer Sau eine Stunde vor der KB. Die ovulationsbereiten Graaf'schen Follikel (gepunktete Linie) erreichen beim Schwein einen Durchmesser von 8-10 mm. Im oberen Beildbereich (weiße Pfeile) sind kontrahierte Gebärmutterquerschnitte, ein in der Rausche typischer Befund, sichtbar.

Ovulationzeitpunkt für das Einzeltier nur mit starken Einschränkungen vorhersagbar. So bestehen nicht nur große Unterschiede im Ovulationsverhalten zwischen verschiedenen Herden, sondern auch innerhalb eines Sauenbestandes kann das Intervall Brunstbeginn- Ovulation zwischen 24 und 110 Stunden schwanken (WEITZE et al., 1994).

Eine mögliche Ursache für erhöhte Umrauscherraten in Sauenbeständen kann unter anderem ein fehlerhaftes Besamungsregime sein, das auf Mängel in der Erkennung der Brunst oder einen falschen Besamungszeitpunkt zurückzuführen ist. Durch Darstellung der Eierstöcke einschließlich ihrer Funktionskörper ermöglicht die Sonografie eine exakte Bestimmung des optimalen Zeitpunkts der Besamung ebenso wie die Diagnose von Funktionsstörungen an den Eierstöcken (z. B. Zysten, fehlende Zyklusaktivität). Die Ultraschalluntersuchung des Eierstocks erscheint daher insbesondere bei Änderungen des Besamungsmanagements oder der Säugezeit sinnvoll. Sie kann allerdings eine sorgfältige Brunstkontrolle durch den Sauenhalter nicht ersetzen. Insgesamt sollte die sonografische Ovardiagnostik als wichtiges Hilfsmittel in der Differentialdiagnostik von Fruchtbarkeitsstörungen des Schweins angesehen werden.

Diagnose der Frühträchtigkeit

In Sauenbeständen ist die frühzeitige Erkennung nichttragender Sauen ein entscheidender Faktor, um kostenintensive Leertage reduzieren und hygienische Standards erfüllen zu können. Der 21. Trächtigkeitstag (Abbildung 2) ist zur Durchführung der ultrasonografischen Trächtigkeitsuntersuchung (TU) zu empfehlen, da die Diagnose dann hinreichend genau ist, wenn Sauen mit zweifelhaften Befunden nachuntersucht werden. An dieser Stelle sei nochmals darauf hingewiesen, dass die TU mit dem "Scanner" eine sorgfältige Umrauscherkontrolle keinesfalls ersetzen kann und soll. Durch konsequentes Handeln im Anschluß an die Diagnose "nicht-tragend" kann der Tierhalter den Vorteil der frühen Untersuchung effektiv nutzen; beispielsweise durch eine gezielte Selektion oder eine hormonelle Behandlung durch den Tierarzt nach gleichzeitig erfolgter Eierstocksdiagnostik. In Betrieben, in denen niedrige Trächtigkeitsraten auftreten oder vermehrt Sauen trotz positiver TU nicht abferkeln, sind mehrmalige sonografische Trächtigkeitsuntersuchungen in repräsentativen Abständen (Früh-, Mittel-, Hochträchtigkeit) empfehlenswert, um Rückschlüsse auf den Zeitpunkt und damit mögliche Ursachen der Fruchtverluste ziehen zu können. Abbildung 1: Ultrasonografische Darstellung des Eierstocks einer Sau eine Stunde vor der KB1. Die ovulationsbereiten Graaf 'schen Follikel (gepunktete Linie) erreichen beim Schwein einen Durchmesser von 8-10 mm. Im oberen Bildbereich (weiße Pfeile) sind kontrahierte Gebärmutterquerschnitte, ein in der Rausche typischer Befund, sichtbar.

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Abbildung 2 Ultrasonografische Trächtigkeitsuntersuchung am 21. Trächtigkeitstag. Der Embryo (weißer Pfeil) hat zu diesem Zeit eine Größe von ca. 14 mm. Das Fruchtwasser ist schwarz dargestellt.  Abbildung 3 Follikelzysten mit einem Durchmesser von ca. 20 mm bei einer Sau. Tiere mit einer multizystischen Entartung des Eierstocks sollten selektiert werden.

Gynäkologische Untersuchung von Problemsauen

Abgesehen von Umrauschern treten in den Sauenherden weitere Problemtiere auf. Dazu zählen beispielsweise Sauen, die nach dem Absetzen nicht zur Rausche kommen, die nach der Besamung leer bleiben ohne umzurauschen oder solche, die trotz positiver Trächtigkeitsdiagnose mittels tongebender Technik nicht abferkeln. Die sonografische Untersuchung der Eierstöcke und der Gebärmutter dieser Tiere ermöglicht eine zuchthygienische Kontrolle und die gezielte Einleitung therapeutischer Maßnahmen durch den betreuenden Tierarzt; sie kann aber auch als wichtige Entscheidungshilfe bei der Selektion von Sauen dienen, die bislang meist ausschließlich auf der Basis reproduktiver Kenndaten erfolgt. Häufigste Eierstockbefunde bei leeren Sauen sind Gelbkörper (bestandsabhängig 40 bis 90%), seltener sind Funktionskörper des eisprungnahen Zeitraums (zurückgebildete Gelbkörper, mittelgroße oder große Follikel und frische Ovulationen), inaktive Eierstöcke und Zysten (KAUFFOLD et al., 1999).

Sind Funktionsgebilde bildlich darstellbar, die Hinweise auf einen ungestörten Ablauf des Sexualzyklus geben, ist eine medikamentelle Therapie nicht erforderlich, vielmehr können dann Hinweise zum Besamungszeitpunkt gegeben werden. In den meisten anderen Fällen ist unter Berücksichtigung des Vorberichts und der klinischen Allgemeinuntersuchung eine gezielte Therapie durch den Tierarzt möglich. Eine Ausnahme hiervon bilden Sauen mit multiplen Eierstockszysten (Abbildung 3), die aufgrund einer ungünstigen Prognose selektiert werden sollten.  Weiterhin ist mitunter die Interpretation von Ultraschallbildern der Gebärmutter von Problemsauen hilfreich. Pathologische Befunde können hier beispielsweise wabige Erscheinungen nach Aborten oder flockiger Inhalt bei eitrigen Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut sein. In der Regel wird bei der Untersuchung der Geschlechtsorgane gleichzeitig die Harnblase dargestellt. Blasenentzündungen, sonografisch an einer Verdickung der Harnblasenwand erkennbar, mit oder ohne gleichzeitiges Vorliegen von Harngrieß sind vergleichsweise häufige Befunde (insbesondere bei Altsauen), können aber ebenfalls im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsstörungen in Sauenherden stehen.

Kontrolle des Pubertätseintritts

Im Rahmen der Züchtung auf hohen Magerfleischanteil wurde in den letzten Jahren eine Verzögerung des Pubertätseintritts beschrieben. Während die Geschlechtsreife bei Jungsauen alter Zuchtrichtung bereits mit ca. 180 Tagen eintrat, wird sie bei neuen Typen häufig erst im Alter von 220-240 Lebenstagen erreicht. So werden bei unzureichender Pubertätskontrolle relativ viele noch nicht geschlechtsreife Jungsauen einer Zyklusblockade mit Regumate (Wirkstoff: Altrenogest) unterzogen. Von diesen Jungsauen sind unzureichende Fruchtbarkeitsleistungen mit niedrigen Abferkelraten, Wurfgrößen und einer ungenügenden Gewichtsentwicklung der neugeborenen Ferkel zu erwarten (SCHNURRBUSCH und VOGLER, 2003).

KAUFFOLD und Mitarbeiter, Universität Leipzig (2004), entwickelten kürzlich ein Verfahren, mit dem durch ultrasonographische Untersuchungen Jungsauen vor bzw. nach Pubertätseintritt anhand der Eierstocksbefunde und der Fläche des Querschnitts der Gebärmutterhörner unterschieden werden können. Dies ermöglicht eine zielgerichtete Auswahl des Eingliederungsverfahrens: Sollen Jungsauen eingegliedert werden, die die Zuchtreife bereits erreicht haben (d.h. mindestens 1, besser 2 Zyklen durchlaufen), hat sich die Synchronisation des Zyklus unter Verwendung von Regumate bewährt. Bei Verwendung von Jungsauen vor Pubertätseintritt ist hingegen das biotechnische Verfahren der Pubertätsinduktion (Verwendung von hCG/PMSG und PGF2α) die Methode der Wahl. Die Pubertätsinduktion bietet eine Alternative zu bisherigen Programmen der Zyklussteuerung: Eine Zuchtbenutzung kann relativ früh vorgenommen werden, wobei trotzdem sichergestellt ist, dass alle Jungsauen erst in der 2. Brunst belegt werden, was wiederum einer stabilen Fruchtbarkeitsleistung förderlich ist.

Messung der Seitenspeckdicke

1994 wurde das aus 146 Aminosäuren bestehende Hormon Leptin (griech. leptos = schlank) entdeckt. Es wird von Fettzellen, in geringen Mengen auch in der Milchdrüse produziert und spielt eine wichtige Rolle in der Regulation der Nahrungsaufnahme, der Hormonsekretion, des Immunsystems und der Fortpflanzung (HÜHN, 2002).

Bei geringer Entwicklung des Fettgewebes ist die Leptinsekretion niedrig (KOLB, 2004), was eine unzureichende Ausreifung der Tertiärfollikel, gering ausgeprägte Brunstsymptome, ausbleibende Ovulation sowie einen verspäteten Pubertätseintritt der Jungsauen zur Folge hat. Deshalb sollten bei Fruchtbarkeitsstörungen in Sauenherden aus differentialdiagnostischer Sicht auch Messungen der Seitenspeckdicke erfolgen, um Korrekturen der Fütterung vornehmen zu können.

Leistungen der Sächsischen Tierseuchenkasse

Studien zufolge treten in lediglich 24% der schweinezüchtenden Betriebe keinerlei Fruchtbarkeitsprobleme auf. Neben den infektiösen Ursachen (z.B. Brucellose, Leptospirose, AK, ESP/ASP, Parvovirose, PRRSV, Enteroviren, Circoviren, Chlamydien und Yersinien) treten in neuerer Zeit die toxischen (Mykotoxine, Endotoxine) und nicht-infektiösen Faktoren im engeren Sinne (Wasser- und Energiemangel, Verzögerung der Rückbildung und Regeneration im Puerperium, Fehler bei Biotechnik und Besamung, Stress) in den Fokus des Interesses. So wurde der Schweinegesundheitsdienst (SGD) Sachsen in den vergangenen Jahren zunehmend bei nichtinfektiösen Fruchtbarkeitsstörungen zu Rate gezogen. Um neben der Abklärung infektiöser Ursachen im Rahmen des "Abortprogramms" das differentialdiagnostische Spektrum bei Fruchtbarkeitsstörungen zu erweitern, wurde 2001 ein leistungsfähiges Ultraschallgerät angeschafft und seit Juli 2002 auf Anfrage die sonografische Ovar- und Uterusdiagnostik in den Beständen durchgeführt. Das Erkennen von Ursachen und Zusammenhängen von Fruchtbarkeitsproblemen erfordert eine umfassende Diagnostik unter Einschluss aller Umweltfaktoren im Bestand. Diese wird im Rahmen des "Fruchtbarkeitsprogramms" der Sächsischen TSK geboten. Im Kontext dieses Programms wurde beispielsweise durch den SGD in den Jahren 2003/2004 in 19 Betrieben die transkutane Ovardiagnostik durchgeführt. Dabei wurden folgende Probleme bearbeitet: erhöhter Anteil zyklischer Umrauscher, verminderte Trächtigkeitsraten, erhöhter Anteil an Durchläufern sowie ausbleibende Duldung bei Alt- und Jungsauen. In 7 Betrieben konnten das Biotechnikregime bzw. der Besamungszeitpunkt erfolgreich geändert oder angepasst werden, was eine Erfolgskontrolle anhand Untersuchungen zur Frühträchtigkeit am 21. Tag bestätigte. Entscheidend für den Erfolg solcher Programme zur Verbesserung der Fruchtbarkeit in Sauenbeständen ist nicht zuletzt eine enge Zusammenarbeit zwischen den Zuchtverbänden und dem SGD. Insbesondere Mitarbeiter des Zuchtverbands, die die routinemäßige TU mit dem Scanner am 28. Trächtigkeitstag in den Betrieben durchführen, haben eine gute Übersicht über die Situation in den einzelnen Herden, stellen aufkeimende Fruchtbarkeitsprobleme frühzeitig fest und können so eine gezielte Diagnostik durch den SGD initiieren.

Nutzen für sauenhaltende Betriebe

Bei der Bearbeitung der genannten Fragestellungen liefert die bildgebende Ultraschalldiagnostik wertvolle Informationen in der gynäkologischen Diagnostik des Schweins. Sie kann als Managementhilfe zur Steigerung der Produktivität in Sauenherden in vielfältiger Hinsicht beitragen: • Steigerung des Besamungserfolgs durch Anpassung des Besamungsmanagements an die herdenspezifische Ovulationsdynamik • Senkung des Besamungsaufwands durch Optimierung des Besamungsregimes • Auswahl eines optimalen Eingliederungsregimes der Jungsauen zur Sicherung einer stabilen Fruchtbarkeitsleistung • Senkung der Leertage durch Erkennung und anschließende Therapie bzw. Selektion von Problemsauen • Beurteilung der Kondition der Zuchttiere durch Messung der Seitenspeckdicke und nachfolgende Anpassung der Fütterung, um eine optimale Zuchtkondition der Jung- und Altsauen zu erreichen

Die Sächsische Tierseuchenkasse informiert:

Die bildgebende sonografische Diagnostik in der Gynäkologie des Schweins wird den Sauenhaltern Sachsens künftig wieder durch den SGD der Sächsischen Tierseuchenkasse angeboten.

Dr. med. vet. M. Freick und Dr. med. vet. H. Vergara,
Schweinegesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse