Startseite Schweinegesundheit Merkblätter & Veröffentlichungen Zur Diagnostik von Fruchtbarkeitsstörungen nach 21- und 28-tägiger Säugezeit unter besonderer Berücksichtigung des Mykotoxins Zearalenon

IMG_0675komwZur Diagnostik von Fruchtbarkeitsstörungen nach 21- und 28-tägiger Säugezeit unter besonderer Berücksichtigung des Mykotoxins Zearalenon

Stabile und hohe Fruchtbarkeitsleistungen sind die Grundvoraussetzung für die Produktivität sowie die Ökonomie von Sauenherden. Durch die

Verkürzung der Säugezeit von 28 auf 21 Tage kann einerseits die Zahl der insgesamt geborenen und somit auch die Zahl der abgesetzten Ferkel erhöht werden. Andererseits sind aber gerade in Sauenherden mit verkürzter Säugezeit unbefriedigende Fruchtbarkeitsleistungen zu beobachten. Fruchtbarkeitsstörungen bzw. schwankende Fruchtbarkeitsleistungen in Sauenherden haben häufig auch einen negativen Einfluss auf die Tiergesundheit in den nachfolgenden Produktionsstufen, insbesondere dann, wenn infolge erhöhter Umrauscher- und zu geringer Abferkelraten weniger Sauen selektiert und mehr Sauen als notwendig besamt werden. Damit erhöht sich die Zahl fruchtbarkeitsgestörter bzw. leistungsschwacher und alter Sauen im Bestand. Werden mehr Sauen als erwartet tragend, fehlen nachfolgend die Abferkelplätze, die Säugezeit muss für einen Teil der Sauen zwangsläufig verkürzt werden, das Rein-Raus-Prinzip im Abferkelstall ist nicht mehr gewährleistet, im Flatdeck kommt es zur Überbelegung mit Absetzferkeln unterschiedlichen Alters und Gewichtes. Die Folge sind erhöhte Krankheitsanfälligkeit, ansteigender Behandlungsaufwand und Minderzunahmen. Zum Verkauf stehen unausgeglichene Läuferpartien bei vermindertem Durchschnittsgewicht. Monokausal (nur durch einen Erreger oder eine Ursache) bedingte Fruchtbarkeitsstörungen werden in Sauenherden unter intensiven Haltungsbedingungen nur selten beobachtet. Anzeigepflichtige Tierseuchen wie Aujeszkysche Krankheit und Schweinepest spielen in Sachsen seit Jahren keine Rolle mehr. Brucellose wurde in der Vergangenheit in zwei Beständen festgestellt; durch Leptospiren verursachte Fruchtbarkeitsstörungen sind in Einzelfällen zu beobachten. Häufig kommen dagegen als Auslöser von Fruchtbarkeitsstörungen ganze Ursachenkomplexe in Betracht, die sich in den betroffenen Betrieben aus vielfältigen Komponenten zusammensetzen. Neben Fehlern in der Anwendung von Hormonen zur Zyklussteuerung, unzureichender Brunstbeobachtung, falschen Besamungszeitpunkten, unpassenden Impfregimen gegen Parvovirose und PRRS kommen auch Fehler in der Jungsaueneingliederung, in der Haltung, der Fütterung sowie der Fütterungshygiene vor.

Als mögliche Ursachen von Fruchtbarkeitsstörungen wurde in den letzten Jahren Mykotoxine besonders diskutiert. Dabei bereiten die Diagnostik und die Befundinterpretation in der Praxis oft Schwierigkeiten, weil nicht immer bei Auftreten klinischer Erscheinungen auch relevante Konzentrationen in den Futtermitteln festgestellt werden.

Die fruchtbarkeitsbeeinflussende Wirkung des Mykotoxins Zearalenon, das in seiner Struktur den Östrogenen stark ähnelt, wird durch die Anlagerung an die östrogenspezifischen Bindungsstellen realisiert. Somit tritt unter Zearalenon-Einwirkung auch dann eine östrogene Wirkung auf, wenn Östrogene im Verlauf des Sexualzyklus nur in geringen Mengen synthetisiert werden. Zearalenon kann in Abhängigkeit von der individuellen Empfindlichkeit und dem Zeitpunkt der Einwirkung zu

folgenden Erscheinungen bei Altsauen führen:

  • Erhöhung der Uterusmasse auf das 3- bis 4-fache der Norm (GEDEK, 1984)
  • Verzögerung des Brunsteintrittes nach dem Absetzen (EDWARDS et al., 1987)
  • Verlängerung der Lebensdauer der Gelbkörper und damit Verlängerung des Zyklus (FLOWERS etal., 1987)
  • Verminderung der LH-Konzentration (DIEKMAN et al., 1986)
  • verstärkte Follikelatresie (Rückbildung in der Follikelwachstumsphase), vorzeitige Follikelreifung, großzystische Entartung der Follikel (VANYI et al., 1974)
  • interstitielles Ödem der Uterusschleimhaut, zystische und degenerierte Uterindrüsen (KURTZ etal., 1980; HÖRÜGEL et al., 1991; JUNGNICKEL, 1997)
  • Degeneration von Epithel- und Drüsenzellen der Uterusschleimhaut, Vakuolisierung des Zytoplasmas (VANYI et al., 1974)

Die Ermittlung und Wichtung der vielen möglichen Ursachen erfordert meist einen hohen diffentialdiagnostischen und zeitlichen Aufwand. Im Folgenden sollen Ergebnisse zur Diagnose von Fruchtbarkeitsstörungen dargestellt werden, die sich im Zusammenhang mit Untersuchungen zum Einfluss einer Säugezeitverkürzung auf die Fruchtbarkeitsleistung von Sauenherden ergaben. Dabei findet die Problematik der chronischen Zearalenon-Intoxikation besondere Berücksichtigung.

Material und Methode

Die Untersuchungen (von 1999 bis 2000) waren zunächst für vier sächsische Ferkelerzeugerbetriebe mit 28-tägiger (Betrieb Z28) bzw. 21-tägiger Laktationsdauer (Betriebe W21, X21 und Y21) konzipiert. Nach Säugezeitverkürzung in Betrieb Z28 konnte dieser als Betrieb Z21 zusätzlich in die Untersuchungen zur 21-tägigen Säugezeit einbezogen werden. Tabelle 1 zeigt ausgewählte Charakteristika der untersuchten Betriebe sowie den Leistungsdurchschnitt der Sauenherden vor Beginn bzw. während der Untersuchung (Z21). Auffällig waren in den Betrieben W21, X21, Z21 und Z28 unzureichende Abferkelraten und außer in Betrieb Z21 auch niedrige Wurffolgen.

Tabelle 1: Ausgewählte Charakteristika und Leistungen der untersuchten Betriebe

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Zur Beurteilung des Einflusses der Laktationsdauer auf die Rückbildung und Wiederherstellung der Funktionsbereitschaft der Geschlechtsorgane zum Zeitpunkt des Absetzens sowie auf die nachfolgende Brunst wurden die Gebärmutter und die Eierstöcke bei zur Schlachtung selektierten Sauen (Fundament- und Gesäugeschäden, unzureichende Aufzuchtleistungen) einen Tag nach dem Absetzen (A) bzw. am Ende der nachfolgenden Brunst (Östrus = Ö) entnommen. Gleichzeitig erfolgte die Entnahme von Gallensaft für die Zearalenon-Bestimmung. Sauen, die im Östrus zur Schlachtung kamen, wurden der betriebsspezifischen Fortpflanzungssteuerung nach dem Absetzen (zootechnische Stimulation mit BS bzw. OS) unterzogen. Zeitlich parallel zur Entnahme des Organmaterials erfolgte bei allen Sauen der Sauengruppen, aus denen die selektierten Sauen stammten, die Erfassung von Fruchtbarkeitsdaten (Trächtigkeitsrate = TR, Umrauscherrate = UR, Abferkelrate = AFR, WG = Wurfgröße, insgesamt geborene Ferkel = igF). Es kamen insgesamt 3 370 Sauen zur Auswertung. Die Untersuchungen an den Geschlechtsorganen von insgesamt 127 Sauen umfassten die Bestimmung der Gebärmuttermasse ohne anhaftende Bänder (Uterusmasse = UM), der Masse beider Eierstöcke (Ovarpaarmasse = OPM), die makroskopische sowie die histologische Untersuchung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) und die Auszählung der Funktionskörper an den Ovarien. Die Gesamtzearalenon (ZEA)-Konzentration der Gallenflüssigkeit wurde im ELISA bestimmt, nachdem der Vergleich mit der HPLC-Methode eine ausreichende Übereinstimmung ergeben hatte.

Ergebnisse und Interpretation

Ausgewählte Uterusbefunde am Tag nach dem Absetzen und im Östrus werden in der Tabelle 2 dargestellt.

Tabelle 2: Makroskopische und histologische Befunde am Uterus einen Tag nach dem Absetzen (A) und im Östrus (Ö) nach Säugezeiten von 21 und 28 Tagen

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In den Betrieben mit 21-tägiger Säugezeit lagen die mittleren Uterusmassen einen Tag nach dem Absetzen im für zyklische Sauen physiologischen Bereich von 500 bis 700 g, während bei dem Sauen mit 28-tägiger Säugezeit eine so genannte Superinvolution eingetreten war, so dass die für azyklische Sauen typischen Uterusmassen von im Mittel 289 g auftraten. Abbildung 1 verdeutlicht die Rückbildung der Gebärmutter nach dem Abferkeln an Hand der Uterusmasse. Etwa 15 Tage nach der Geburt sind bei laktierenden Sauen einen Tag nach dem Absetzen Uterusmassen unter 700 g zu erwarten. In den Betrieben X21 und Y21 zeigten allerdings etliche Sauen (33 % bzw. 25 %) erhöhte Uterusmassen (> 700 g). Dies sprach einerseits für eine nicht ausreichende Gebärmutterrückbildung bei Einzeltieren auf Grund der geringfügig kürzeren mittleren Säugezeit, andererseits konnte auch eine positive Korrelation zur Höhe der ZEA-Konzentration in der Gallenflüssigkeit nachgewiesen werden. Im Östrus stiegen der Anteil unphysiologisch erhöhter Uterusmassen (> 700 g) in allen Betrieben mit 21-tägiger Säugezeit wie auch die Mittelwerte der Uterusmassen (außer in Betrieb Z21) über 700 g an, korrelierten aber zu diesem Zeitpunkt weder mit der Länge der Säugezeit noch mit der ZEA-Konzentration in der Gallenflüssigkeit. Im Betrieb Z wurden sowohl nach 28-tägiger Säugezeit (Z28) als auch nach 21-tägiger (Z21) im Östrus physiologische Uterusmassen im Mittel von 657,7 g bzw. 520,6 g festgestellt.

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Abbildung 1: Rückbildung der Uterusmasse in Abhängigkeit vom zeitlichen Abstand von der Geburt bei laktierenden Sauen (Zusammenfassung der Ergebnisse aller untersuchten Betriebe)

Grundsätzlich konnten sowohl nach 21-tägiger als auch nach 28-tägiger Laktationsdauer einen Tag

nach dem Absetzen noch histologisch nachweisbare geringgradige Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut (Endometritiden = erhöhte Anzahl von Abwehrzellen in der Gebärmutterschleimhaut) beobachtet werden (Abbildung 2), die aber nicht zu einer Sekretansammlung im Inneren des Uterus geführt hatten. Dabei war der prozentuale Anteil solcher geringgradigen Entzündungen nach 21-tägiger Säugezeit in betriebspezifischer Abhängigkeit häufiger als nach 28-tägiger Säugezeit. Diese Endometritiden heilten bis zum ersten Östrus nach dem Absetzen bei etwa der Hälfte der Tiere aus, so dass nach 21-tägiger Säugezeit im Östrus ein Anteil von ca. 9 % geringgradiger Endometritiden zu verzeichnen war, der niedriger als im Betrieb Z28 im Östrus nach 28-tägiger Säugezeit (18 %) lag. Die 21-tägige Säugezeit führt also nicht zwangsläufig zu einem erhöhten Anteil an Endometritiden, sondern das betriebsspezifische Keimmilieu und der Infektionsdruck.

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Abbildung 2: Prozentualer Anteil an Endometritiden nach dem Absetzen und im Östrus nach 21- und 28-tägiger Säugezeit in den untersuchten Betrieben

Auffällig waren histologisch feststellbare funktionelle Störungen in der Gebärmutterschleimhaut, die in allen Betrieben mit 21-tägiger Säugezeit auftraten und in den Betrieben W21, X21 und Y21 im Östrus häufiger vorkamen als einen Tag nach dem Absetzen (Abbildung 3). Im Betrieb Z21 wurden sie jedoch nur zu einem geringen Prozentsatz und im Betrieb Z28 gar nicht nachgewiesen. Als funktionelle Störung wird in den vorliegenden Untersuchungen ein dem Zyklusstadium nicht adäquater Ödematisierungsgrad (Einlagerung von Flüssigkeit) der Gebärmutterschleimhaut bezeichnet. Das heißt, dass an der Gebärmutterschleimhaut östrogen-bedingte Veränderungen vorliegen, obwohl in den Follikeln einen Tag nach dem Absetzen noch keine relevanten Mengen an Östrogenen synthetisiert werden. Im Östrus sind funktionelle Störungen durch eine hochgradige Ödematisierung der gesamten Gebärmutterschleimhaut bis hin zur Zerstörung ihrer Struktur, häufig in Verbindung mit einer Degeneration oder Rückbildung der Endstücke der Drüsen der Gebärmutterschleimhaut, gekennzeichnet, die durch die „normale“, physiologische Wirkung der Östrogene an der Gebärmutterschleimhaut im Östrus in dieser Form nicht induziert werden. Sowohl einen Tag nach dem Absetzen als auch im Östrus sprechen diese Veränderung für eine ZEA-Einwirkung.

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Abbildung 3: Prozentualer Anteil an Sauen mit funktionellen Störungen im Endometrium nach dem Absetzen und im Östrus nach 21- und 28-tägiger Säugezeit in den untersuchten Betrieben

Zur Bewertung der im Östrus an den Uteri und an den Ovarien erhobenen abweichenden Befunde wurden diese den drei folgenden Uterusmasse-Kategorien zugeordnet (Tabelle 3):

zu kleine Uterusmassen < 500 g,

physiologische Uterusmassen von 500 bis 700 g,

zu große Uterusmassen > 700 g.

Dabei wurde deutlich (Tabelle 3), dass in den Betrieben mit den höchsten Anteilen unphysiologisch erhöhter Uterusmassen (W21, X21 und Y21) in der Kategorie > 700 g am häufigsten Uteri mit bereits makroskopisch sichtbarer exzessiver Ödematisierung sowie funktionelle Störungen in Verbindung mit Degenerationserscheinungen der Drüsenepithelzellen in der Uterusschleimhaut vorkamen. Während die Ovulationspotenz sowohl bei den zu kleinen Uteri (< 500 g) als auch bei den zu großen Uteri (> 700 g) im Vergleich zu den Uteri mit physiologischer Uterusmasse offensichtlich in Folge einer Follikelatresie vermindert ist (insbesondere in den Betrieben W21 und Y21), wurde bei erhöhter Uterusmasse >700 g zusätzlich eine verzögerte Ovulation beobachtet, die sich in einer verminderten realisierten Ovulationspotenz im Vergleich zu den Uteri mit physiologischer Uterusmasse (500 - 700 g) ausdrückte. Für den Betrieb Y21, in dem die Sauen terminorientiert besamt wurden, zeigten die Untersuchungsergebnisse, dass bei ca. 40 % der Sauen die Ovulation erst 20 Stunden nach der KB 2 und damit zu spät einsetzte. Im Betrieb Y21 fielen außerdem bei den Sauen mit vergrößerten Uteri zu einem hohen Prozentsatz im Östrus Follikelzysten auf. Diese zeichneten sich durch eine hohe Progesteronsynthese aus und führten bereits im Östrus zu den für den Diöstrus typischen Transformationen an der Uterusschleimhaut. Sowohl die stark verzögerte Ovulation als auch die Zystenbildung können möglicherweise auf einen ZEA-bedingten LH-Mangel zurückgeführt werden, so dass trotz Ovulationssynchronisation bei diesen Sauen keine termingerechte Ovulation stattgefunden hat. Bezüglich abweichender Ovarbefunde war festzustellen, dass nach 21- als auch nach 28-tägiger Säugezeit azyklische Sauen im ersten Östrus nach dem Absetzen vorkommen können.

Die Ursachen für den relativ hohen Anteil an Endometritiden nach dem Absetzen bei Tieren mit 21-tägiger Säugezeit waren offensichtlich nicht ausschließlich in einer noch nicht vollständig abgeschlossenen Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit des Endometriums nach kürzerer Säugezeit zu suchen, da diese Endometritiden weder nach dem Absetzen (nicht dargestellt) noch im Östrus im Zusammenhang mit erhöhten Uterusmassen auftraten (Tabelle 3) und auch nach 28-tägiger Säugezeit noch beobachtet wurden (Tabelle 2). Eine Ausnahme bilden die Ergebnisse in Betrieb Z21, die im Zusammenhang mit den Fruchtbarkeitsergebnissen erläutert werden. Bei Zusammenfassung des an den Geschlechtsorganen abweichenden Befunds für die jeweiligen Betriebe wurde der Zusammenhang zu den zeitlich parallel erhobenen Fruchtbarkeitsparametern der Sauengruppen deutlich. In den Betrieben W21 und X21 kam es nach Auftreten von überwiegend funktionellen Störungen in der Uterusschleimhaut und Ovulationsverzögerungen der vergrößerten Uteri im Östrus (Besamungszeitpunkt) zu verminderten Trächtigkeitsraten (69,4 bzw. 79,1 %) und niedrigen Wurfgrößen (11,1 bzw. 11,0 igF), die aus den Abbildungen 4 und 5 ersichtlich sind. Nicht tragende Sauen wurden als zyklische und azyklische Umrauscher erkannt (26,5 bzw. 19,7%). Im Betrieb Y21, in dem neben funktionellen Störungen im Endometrium und verzögerten Ovulationen auch Ovulationsstörungen durch Zystenbildung auftraten, wurden Sauen, die nicht konzipiert hatten, auch nicht als Umrauscher erkannt (Persistenz der Gelbkörper). Offensichtlich wurden nur Sauen ohne derartige Störungen bei unverminderter Wurfgröße tragend (71,3 % TR, 5 % UR, 12,6 igF). Befunde dieser Art sprechen in allen drei Betrieben eindeutig für eine ZEA Einwirkung und lassen sich für die Betriebe X21 und Y21 an Hand der Höhe der ZEA-Konzentration in der Gallenflüssigkeit untermauern. Für den Betrieb W21 konnte trotz ähnlicher Befunde an den Uteri keine entsprechende ZEA-Konzentration in der Gallenflüssigkeit nachgewiesen werden. In diesem Betrieb waren jedoch ca. drei Monate vor Untersuchungsbeginn im Fertigfuttermittel 112,3 μg ZEA/kg Alleinfutter für tragende Sauen festgestellt worden (anschließend Futterwechsel). Der hohe Anteil azyklischer Umrauscher (15,3 %) in diesem Betrieb war möglicherweise zusätzlich durch die PRRSV-Infektion der Herde bedingt.

Tabelle 3: Makroskopische und histologische Befunde nach Uterusmasse-Kategorien im Östrus

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Abbildung 4: Trächtigkeitsrate (TR), Abferkelrate (AFR) sowie Umrauscherrate (UR) nach 21- und 28-tägiger Säugezeit in den untersuchten Betrieben

Bei Sauen des Betriebes Z21 traten im Östrus ebenfalls erhöhte Uterusmassen > 700 g auf, die jedoch nicht mit funktionellen Störungen des Endometriums dafür aber mit geringgradigen Endometritiden verbunden waren. Funktionelle Störungen wurden bei Sauen mit physiologischen Uterusmassen nur in geringer Häufigkeit festgestellt. Im Untersuchungszeitraum kam es in der vormals freien Herde zu einer PRRSV-Infektion mit den entsprechenden klinischen Erscheinungen. Kleine Würfe mit lebensschwachen Ferkeln und Wurfauflösung führten offenbar bei einigen Sauen zu einer nicht ausreichenden Rückbildung und Regeneration des Uterus nach der Geburt (infolge geringen Saugreizes und damit verbunden geringer Oxytocin-Ausschüttung). Trotzdem wurde eine noch akzeptable TR von 85,2 % erreicht. Sauenverluste und Spätaborte führten zu einem Abfall des AFR auf 67,7 % bei einer im Vergleich zur 28-tägigen Säugezeit verminderten Wurfgröße von 11,3 igF. Im Betrieb Z28 widerspiegelten sich die unauffälligen Befunde an den Geschlechtsorganen in einer TR von 88,8 %, einer UR von 5,1 %, einer AFR von 83,2 % und einer WG von 12,4 igF. Interessante Ergebnisse zeigten sich auch bei der Auswertung der Wurfgrößen in Betrieb Z nach den verschiedenen Verfahren der biotechnischen Zyklussteuerung (Abbildung 6). Nach 28-tägiger Säugezeit erhielten alle Sauen 24 Stunden nach dem Absetzen eine PMSG-Injektion zur Stimulation des Follikelwachstums. Sauen, die 78 Stunden nach dieser PMSG-Applikation noch keine Duldung zeigten (etwa 33 %), erhielten zusätzlich eine hCG-Applikation. Bei diesen Sauen verminderte sich die Wurfgröße (igF) gegenüber den Sauen ohne hCG-Applikation signifikant um ein Ferkel.

Dagegen war bei Anwendung des gleichen Verfahrens nach 21-tägiger Säugezeit keine Reduzierung, sondern eine geringfügige Erhöhung der Wurfgröße nachweisbar (nicht signifikant). Auch nach Verkürzung der Säugezeit betrug der Anteil an Sauen, die 78 Stunden nach der PMSGInjektion noch keine Duldung zeigten, etwa 33 %. Daraus lässt sich ableiten, dass das Verfahren der biotechnischen Zyklussteuerung der Laktationsdauer unbedingt angepasst werden muss.

 

 

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Abbildung 5: Wurfgröße (igF) nach 21- und 28-tägiger Säugezeit in den untersuchten Betrieben

 

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Abbildung 6: Wurfgröße (igF) nach verschiedenen Verfahren der Zyklussteuerung nach 21- und 28-tägiger Säugezeit in Betrieb Z

 

Schlussfolgerungen:

  • Nach 21-tägiger Säugezeit sind die Rückbildung und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Genitalorgane abgeschlossen.
  • Nach 21- und 28-tägiger Säugezeit treten nach dem Absetzen sowie im Östrus in gleicher Häufigkeit Endometritiden auf, deren Ursache und Bedeutung in weiterführenden Untersuchungen abgeklärt werden sollte.
  • Die Sicherung einer maximalen Säugezeit durch entsprechendes Management ist bei 21-tägiger Säugezeit notwendig, da das Ende der Laktation und Abschluss des Puerperiums dicht beieinander liegen. Folgende Aspekte sollten beachtet werden:
    • Verdichtung der Ovulationszeitpunkte durch säugezeitangepasste biotechnische Zyklussteuerung
    • Verkürzung des Abferkelzeitraums
    • intensive Gesundheitskontrolle (Geburtsüberwachung und Puerperalkontrolle)
    • optimale Laktations- und Flushingfütterung
    • betriebsspezifische Kontrolle der Ovulationszeitpunkte
  • Das Mykotoxin Zearalenon kann zur Follikelatresie (verminderte Ovulationspotenz), zu Verzögerungen in der Ovulation, zu Ovulationsstörungen sowie zu funktionellen Störungen in der Uterusschleimhaut und somit zu Störungen im synchronen zyklischen Ablauf zwischen Ovar und Uterusschleimhaut führen. Diese Veränderungen treten insbesondere bei erhöhten Uterusmassen auf und können auch noch nachgewiesen werden, wenn in der Gallenflüssigkeit keine relevanten Zearalenon-Konzentrationen mehr auftreten. Infolge dieser Störungen kommt es zur Verminderung der Trächtigkeitsrate und der Wurfgröße. Dabei kann die Umrauscherrate auf Grund vermehrter Durchläufer ebenfalls sinken.
  • Bei unzureichenden Fruchtbarkeitsleistungen der Sauenherde kann die Untersuchung von Geschlechtsorganen und die Bestimmung von Mykotoxinen in der Gallenflüssigkeit von fruchtbarkeitsgestörten Sauen sowie Selektionssauen zum Zeitpunkt des Absetzens und im Östrus wertvolle diagnostische Hinweise geben, die aber nur in Verbindung mit weiteren Untersuchungsergebnissen (Analyse der Fruchtbarkeitsdaten, ultrasonographische Ovardiagnostik, Futtermitteluntersuchung, Serologie) interpretiert werden können.

Die Sächsische Tierseuchenkasse hat 2002 ein „Programm des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales, Gesundheit, Jugend und Familie und der Sächsischen Tierseuchenkasse zur Verbesserung der Fruchtbarkeitsleistung der Sauen in Ferkelerzeugerbetrieben Sachsens“ erstellt, um sauenhaltenden Betrieben bei auftretenden Fruchtbarkeitsstörungen ein umfassendes Diagnostikprogramm anbieten zu können.

Dr. med. vet. Helga Vergara