Ausstieg aus der BVD-Impfung in Sachsen vorbereiten

Die BVD/MD ist eine verlustreiche Infektionskrankheit der Rinder, die als anzeigepflichtige Tierseuche in Deutschland seit 2011 auf der Grundlage einer Verordnung bekämpft wird. Diese strikte Bekämpfung verlief erfolgreich, so dass momentan nur noch sehr wenige BVD-Ausbrüche in Deutschland registriert werden und die BVD-Strategie neu ausgerichtet werden kann. Diese Neuausrichtung steht auch im Zusammenhang mit der Neuordnung des europäischen Tiergesundheitsrechts.

In Sachsen wurde die Bekämpfung der BVD/MD – bereits beginnend Ende der 90er Jahre als freiwilliges Verfahren auf der Basis eines Programms der Tierseuchenkasse und des Staatsministeriums für Gesundheit – erfolgreich abgeschlossen. Seit 2019 sind hier keine BVD-Ausbrüche mehr festgestellt worden. Einen wesentlichen Bestandteil der Bekämpfungsstrategie stellte die Impfung dar, die selbst nach dem Verdrängen des Erregers noch in Form von vorbeugender Schutzimpfung fachlich begründet war und empfohlen wurde.

Aufgrund der sehr günstigen Situation in Sachsen sowie der Gültigkeit des Tiergesundheitsrechtsaktes (VO(EG) 2016/429) ab 21. April 2021 ist es nunmehr angezeigt, insbesondere die Impfung gegen BVD neu zu bewerten. Zukünftig wird die Strategie – analog zur BHV1 – auf die Eliminierung des Erregers aus der Rinderpopulation und die Überwachung der Freiheit vom BVD-Virus durch verschiedene diagnostische Maßnahmen ausgerichtet sein. In diesem Zusammenhang wird es ein Verbot der Impfung gegen BVD/MD geben. Dieses Impfverbot ist zwar zeitlich noch nicht fixiert, aber es ist angebracht, dass sich unsere sächsischen Rinderhalter auf diese Situation bereits jetzt einstellen.

Für das Jahr 2020 sind auf der Basis des geltenden BVD-Programms und der Beihilferegelungen der Tierseuchenkasse Impfungen noch möglich und die Beihilfen dafür auch vorgesehen. Es wird aber empfohlen, im Laufe des Jahres den Ausstieg aus der Impfung durchzuführen. Ab 2021 sollten dann grundsätzlich in Sachsen keine Impfungen mehr gegen BVD/MD erfolgen. Der Ausstieg aus der Impfung im Laufe des Jahres 2020 ist aufgrund der seit Anfang 2019 nicht mehr existierenden Ausbrüche/Feststellungen in Sachsen fachlich sinnvoll und problemlos jederzeit möglich. Zudem sind die bereits erfolgten Impfungen in HIT dokumentiert und somit ist auch der Nachweis einer Impfung am Einzeltier gegeben.

Für die zukünftige Überwachung der BVD-Freiheit wird neben der noch einige Zeit erforderlichen Ohrstanze die Serologie eine entscheidende Rolle spielen. Diese serologischen Stichprobenuntersuchungen geben oft erste Anhaltspunkte für eine Neueinschleppung des Erregers in den Betrieb. Daher ist ein Infektionsgeschehen frühzeitiger zu erkennen, ehe es die positiven Ergebnisse aus einer Ohrstanzuntersuchung ermöglichen. Es wird daher allen Rinderhaltern bereits jetzt empfohlen, die altbekannten „Jungtierfenster“ beizubehalten oder neu in die Tiergesundheitsüberwachung einzubinden. Zur Größe der Stichproben und dem Alter der zu untersuchenden Tiergruppen berät Sie Ihr zuständiger Rindergesundheitsdienst (https://tsk-sachsen.de/index.php/ueberuns/kontakte/kontakte).

Die Sächsische Tierseuchenkasse wird in Abstimmung mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt das BVD/MD-Programm für 2021 anpassen.

Weitere Informationen und Beratung erhalten Sie bei Ihrem Rindergesundheitsdienst.