Startseite Fischgesundheit Botulismus bei Fischen, eine seltene Spätsommerkrankheit

BachfBotulismus bei Fischen, eine seltene Spätsommerkrankheit

Die diesjährige Jahrestagung der Fischgesundheitsdienste aller Bundesländer fand am Chemischen- und Veterinäruntersuchungsamt in Freiburg im Breisgau statt. Einen

Tag lang wurde intensiv über Fachthemen referiert und diskutiert. Besonders interessant war der Einführungsvortrag der Organisatorin, Dr. Bornstein, ein Fallbericht zu Botulismus in einer Forellenzucht. Im letzten Jahr gab es in Sachsen ebenfalls einen Verdachtsfall , der differentialdiagnostisch abgeklärt wurde, sich aber nicht bestätigte. Rapp (2003) definiert Botulismus als eine „häufig tödlich verlaufende Erkrankung beim Menschen, Säugetier und Vogel, aber auch bei Fischen, die durch die Gifte des Bakteriums, Clostridium botulinum, hervorgerufen wird. In oben genannten Fall wurde ein chronisches Verlustgeschehen in einer Bachwasserforellenanlage beschrieben, wobei die Verluste nur in den Erdteichen und nicht in betonierten Haltungseinheiten auftraten. Parasitologische, virologische und routinemäßig durchgeführte bakteriologische Untersuchungen sowie die Abklärung der Wasserwerte ergaben keine greifbaren Ergebnisse. Klinisch erkrankte Fische fielen durch ein leblos erscheinendes Absinken und wieder Auftauchen, vereinzelte Dunkelfärbung und Schrägsteher auf. Ein Grossteil des Fischbestandes zeigte jedoch normales physiologisches Schwimm- und Fressverhalten. Außer einer Kiemenschwellung und – blässe konnten keine Organveränderungen festgestellt werden. Neben einem geringgradigen für die Jahreszeit untypischen Amöbenbefall auf den Kiemen erbrachte auch die parasitologische Untersuchung keine weiteren Hinweise auf die Ursache des Verlustgeschehens. Auf Grund der klinischen Symptome und dem jahreszeitlichen Bezug wurde eine spezifische Untersuchung von Darm-, Leber- und Schlammproben sowohl direkt auf C. botulinum, als auch auf das Neurotoxin von C. botulinum veranlasst. Der direkte Nachweis des Bakteriums erfolgte aus dem Schlamm, der Neurotoxinnachweis gelang aus Darmmaterial. Somit war die Ursache des Verlustgeschehens zunächst geklärt. Offensichtlich war es zu einer Anreicherung des Bakteriums im Teichschlamm gekommen. Deshalb waren auch nur die Naturteiche vom Verlustgeschehen betroffen. C. botulinum ist ein Bodenbewohner, der bei der Vermehrung ein Gift bildet. Die Vergiftung erfolgt durch Aufnahme des Toxins über den Verdauungstrakt und Absorption in die Blutbahn. Man unterscheidet 10 bis 15 Typen von C. botulinum. Nicht alle sind für Mensch und Tier gefährlich. Das Botulinumtoxin ist allerdings das stärkste bekannte Bakterientoxin und hemmt die Erregungsübertragung von Nervenzellen zum Muskel. Deshalb kommt es zu Lähmungserscheinungen, die auch bei den Fischen beobachtet wurden. Der Tod tritt durch Kreislauf- und Atemversagen ein. Eine wirkungsvolle Therapie ist nicht bekannt. Die Diagnose kann neben den klinischen Symptomen nur durch den Nachweis des Toxins im Mäuseinokulationstest gestellt werden. Auch wenn das Toxin sehr gefährlich ist, hat das Bakterium an sich beim Erwachsenen keine hohen Überlebenschancen im Vergleich mit anderen probiotischen Darmbakterien. Nur Säuglinge, denen diese Bakterienflora fehlt, sind sehr empfindlich gegenüber dem Toxin.

Welche Gefährdung könnte jedoch von Fischen ausgehen, die das Neurotoxin aufgenommen haben? Wie in jedem Bereich, wo mit Lebensmitteln gearbeitet wird, ist strenge Hygiene geboten. Ein erkrankter Fischbestand darf zunächst nicht verarbeitet werden. Nur klinisch gesunde, ausgenüchterte also gehälterte Fische sollten der Schlachtung zugeführt werden. Die Entfernung der Innereien und weitere Verarbeitung hat hygienisch einwandfrei zu erfolgen. Wie oben bereits beschrieben, sind botulismusbedingte Erkränkungsfälle bei Fischen höchst selten. Betroffene Teiche sollten unbedingt ordentlich entschlammt, gereinigt und desinfiziert werden. Dadurch wird das wenig widerstandsfähige Bakterium aus der Umwelt entfernt und der neue Fischbestand geschützt.

Zusammengefasst von Dr. med. vet. Grit Bräuer