Startseite Fischgesundheit Merkblätter & Veröffentlichungen Die Neufassung der Fischseuchenverordnung ist da

AbfischungDie Neufassung der Fischseuchenverordnung ist da

Ein Auszug wichtiger Bestimmungen:

Die Neufassung der Fischseuchenverordnung vom 24.11.08 (BGBl. I S. 2315) ist am 25.11.08 in Kraft getreten. Damit löst sie die Fischseuchenverordnung in der

Fassung der Bekanntmachung vom 20.12.2005 (BGBl. I S. 3563) ab. Hierdurch ist die Richtlinie 2006/88/EG („Aquakulturrichtlinie“) in nationales Recht umgesetzt worden.

Ein neuer, zentraler Punkt ist die Genehmigungspflicht für Aquakulturbetriebe durch die zuständige Behörde (Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt). Aquakulturbetriebe sind definiert als alle Betriebe, die einer Tätigkeit im Zusammenhang mit der Zucht, Haltung oder Hälterung von Fischen nachgehen. Ausgenommen von der Genehmigungspflicht sind nur Aquakulturbetriebe, die Fische direkt und in kleinen Mengen ausschließlich als Lebensmittel an den Endverbraucher oder den örtlichen Einzelhandel abgeben sowie Angelteiche und andere Anlagen, in denen Fische gehalten werden, die nicht in den Verkehr gebracht werden sollen. Diese Betriebe müssen bei der zuständigen Behörde lediglich registriert werden.

Genehmigungspflichtige Aquakulturbetriebe müssen Fische, die für die im Anhang genannten Seuchen empfänglich sind, nach Maßgabe des Anhangs III Teil B der „Aquakulturrichtlinie“ im Rahmen von Eigenkontrollen in geeigneter Weise und von qualifizierten Diensten (z.B. Fischgesundheitsdienst) untersuchen lassen. Sofern dabei Laboruntersuchungen erforderlich sind, dürfen diese nur in einem von der zuständigen Behörde benannten Laboratorium (z.B. Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen) durchgeführt werden. Die Häufigkeit dieser Eigenkontrollen richtet sich nach dem Gesundheitsstatus und Risikoniveau des jeweiligen Betriebes.

Zusätzlich werden genehmigungspflichtige Betriebe hinsichtlich der Einhaltung des Lebensmittel- und Futtermittelrechts sowie der Bestimmungen über Tiergesundheit und Tierschutz durch die zuständige Behörde kontrolliert. Auch hierbei werden die Abstände zwischen den Kontrollen risikoorientiert festgelegt.

Das Risikoniveau eines Betriebes bezieht sich auf die Gefahr der Seuchenverschleppung. So unterliegen z.B. Betriebe mit wenigen Fischen, die nur zur Schlachtung abgegeben werden, einem geringen Risiko. In Anlagen mit einer größeren Tierzahl, die lebende Fische in den Verkehr bringen, liegt dagegen ein hohes Risiko vor.

Bezüglich des Gesundheitsstatus müssen die Betriebe für jede Fischseuche kategorisiert werden:

Kategorie I    = für seuchenfrei erklärt

Kategorie II   = nicht für seuchenfrei erklärt, jedoch mit genehmigtem Überwachungsprogramm zur Erreichung des Seuchenfreiheitsstatus (keine Infektion bekannt)

Kategorie III = keine Infektion bekannt, kein genehmigtes Überwachungsprogramm zur Erreichung des Seuchenfreiheitsstatus

Kategorie IV = Infektion bekannt, fällt unter ein genehmigtes Tilgungsprogramm

Kategorie V  = Infektion bekannt, Mindestvorschriften für die Bekämpfung

Diese Kategorien werden nicht nur bei der Festlegung der Kontrollhäufigkeiten berücksichtigt, sondern gelten auch als Grundlage beim Handel. So dürfen beispielsweise Betriebe der Kategorie I überall hin liefern, Betriebe der Kategorie III dürfen in Betriebe oder Gebiete der Kategorie III und V liefern. Betriebe der Kategorie V dürfen Fische nur an andere Betriebe der Kategorie V abgeben.

Unter bestimmten Bedingungen können ganze Gebiete als „Schutzgebiete“ erklärt werden, sofern diese frei von einer oder mehreren Seuchen sind (entsprechend Kategorie I). 

Weiterhin ist für genehmigte und registrierte Aquakulturbetriebe, Verarbeitungs- und Transportbetriebe eine genaue Buchführung über Zu- und Abgänge sowie die Sterblichkeit (außer in Verarbeitungsbetrieben) vorgeschrieben. Aquakulturbetriebe müssen die Ergebnisse der Eigenkontrollen archivieren, Transportbetriebe müssen exakte Aufzeichnungen über die während des Transports durchgeführten Wasserwechsel machen.

Die anzeigepflichtigen und jetzt auch ausnahmslos bekämpfungspflichtigen Fischseuchen werden in exotische und nicht exotische Seuchen eingeteilt. Die exotischen Fischseuchen müssen rigoros bekämpft werden, falls sie im Gebiet der Europäischen Union auftreten sollten. So würde nach amtlicher Feststellung einer exotischen Seuche eine Tötungsanordnung ergehen und umfassende epidemiologische Untersuchungen würden eingeleitet. Zu den exotischen Seuchen gehören:

  • die Epizootische Hämatopoetische Nekrose (EHN), sie wird durch ein Iridovirus verursacht und kann Regenbogenforellen und Flußbarsche befallen, diese Erkrankung ist derzeit nur in Australien bekannt und
  • das Epizootische Ulzerative Syndrom (EUS), dieses ist eine Pilzerkrankung im asiatischen Raum, als empfänglich gelten über 100 Fischarten, die teilweise als Zierfische nach Europa eingeführt werden,

außerdem drei Weichtierseuchen und zwei Krebstierseuchen.

Zu den nicht exotischen Seuchen, die durch Mindestmaßnahmen staatlich bekämpft werden müssen, gehören

  • die Virale Hämorrhagische Septikämie (VHS),
  • die Infektiöse Hämatopoetische Nekrose (IHN),
  • die Koi-Herpesvirus-Infektion (KHV),
  • die Infektiöse Lachsanämie (ISA) und

außerdem zwei Weichtierseuchen und eine Krebstierseuche.

Die Mindestmaßnahmen bei der Bekämpfung nicht exotischer Seuchen umfassen Tötung seuchenkranker oder –verdächtiger Tiere durch den Besitzer oder im Auftrag desselben, unschädliche Beseitigung getöteter und verendeter Tiere (über die Tierkörperbeseitigungsanstalt!), Abgabe nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde an einen anderen Seuchenbetrieb oder zwecks Untersuchung oder zur unmittelbaren Schlachtung. Weitere Maßnahmen, wie ein Betretungsverbot oder Reinigung und Desinfektion von Schutzkleidung, Gerätschaften und Fahrzeugen vor dem Verlassen des Betriebes können angeordnet werden.

Für die genannten exotischen und nicht exotischen Seuchen gilt gemäß der Verordnung über anzeigepflichtige Tierseuchen in der Fassung der Bekanntmachung vom 3. November 2004 (BGBl I S. 2764), die zuletzt durch die Verordnung vom 24. November 2008 (BGBl. I S. 2315) geändert worden ist, dass bereits der Verdacht des Ausbruchs durch den Besitzer, Betreuer oder jede andere Person, die mit den Tieren zu tun hat bei der zuständigen Behörde angezeigt werden muss. Bei Nichtbeachtung können gemäß Tierseuchengesetz in der Fassung der Bekanntmachung vom 22. Juni 2004 (BGBl. I S. 1260; 3588), zuletzt geändert durch Artikel 1 § 5 Abs. 3 des Gesetzes vom 13. Dezember 2007 (BGBl. I S. 2930) empfindliche Geldbußen oder Freiheitsstrafen drohen.

Darüber hinaus hat der Besitzer oder Betreuer gemäß Fischseuchenverordnung jede erhöhte Sterblichkeitsrate, die nicht eindeutig auf Haltungs- oder Transportbedingungen oder auf einen Seuchenausbruch bzw. einen Verdacht darauf zurückzuführen ist, der zuständigen Behörde unverzüglich mitzuteilen.

 

Dr. Kerstin Böttcher, Fischgesundheitsdienst, Sächsische Tierseuchenkasse