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Laichteich3Ausführungshinweise zur Fischseuchenverordnung und Stand der Umsetzung in Sachsen

Ein Jahr nachdem die neue Fischseuchenverordnung (vom 24.November 2008, BGBl. I S.2315) veröffentlicht wurde hat das Bundesministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMVEL) Ausführungshinweise zur Verordnung bekannt gemacht. Ziel solcher Ausführungshinweise ist es, zu Regelungen innerhalb der Verordnung, deren Inhalte sich nicht unmittelbar durch den Text erschließen, Stellung zu nehmen und den zuständigen Behörden sowie den betroffenen Fischhaltern zu erläutern. Da die Fischseuchenverordnung in vielen Punkten Formulierungen aus der RL 2006/88/EG („Aquakulturrichtlinie“) übernimmt und sich damit dem Leser nicht unbedingt klar darstellt, kommt den Ausführungshinweisen eine wichtige Bedeutung zu. Außerdem gibt die Fischseuchenverordnung (FiSVO) in einigen Regelungen nur den rechtlichen Rahmen vor, da Umsetzungen der RL 2006/88/EG in Form von Kommissionsentscheidungen noch ausstehen. Trotz aller Kritik mussten mit der FiSVO Regelungen, die auch für Lachsfarmen gelten für die konventionelle Teichwirtschaft umsetzen. Das ist ganz gut gelungen, auch wenn dem Einen die Regelungen zu weit gehen und dem Nächsten nicht weit genug
Einzelne Abschnitte wie Genehmigung, Registrierung und Schutzgebiete sowie das Inverkehrbringen finden keine Anwendung auf Zierfische, wenn keine direkte Verbindung zu natürlichen Gewässern besteht oder eine eigene Abwasseraufbereitungsanlage vorhanden ist, die Krankheitserreger sicher abtötet. Im Umkehrschluss heißt das, dass Zierfischhalter, die sich Teiche mit natürlichen Abflüssen zunutze machen, nun der Verordnung unterstehen. Demgegenüber gilt die Verordnung nicht für Gartenteiche ohne Abfluss.

Angelteiche, also Teiche oder sonstige Anlagen, in denen die Population ausschließlich für die Angelfischerei durch die Wiederaufstockung mit Aquakulturtieren erhalten wird, sind nur registrierungspflichtig. Keine Angelteiche im Sinne der Verordnung sind Gewässer, bei denen der Besatz nur zur Erfüllung der Hegepflicht erfolgt. Für erstere sind dem zuständigen Veterinäramt dann auch keine ausführlichen Angaben ähnlich wie bei der Genehmigungspflicht zu machen. Selbstverständlich muss aus den Unterlagen aber hervorgehen, wo sich das Gewässer befindet u.U. auch Zu- und Ablauf. Werden aus den Angelteichen allerdings Fische in den Verkehr gebracht ist dieser wiederum genehmigungspflichtig. Auch Aquakulturbetriebe, die Fische direkt und in kleinen Mengen ausschließlich an den Endverbraucher oder örtliche Einzelhandelsunternehmen (z.B. EDEKA) abgeben, müssen nur registriert werden. Grundsätzlich floss in die Entscheidung in Sachsen die Überlegung ein, welche Gefahr der Krankheitsverbreitung und/oder – übertragung geht dann von solch einem Betrieb aus.
Die Genehmigungspflicht der unter die Verordnung fallenden Betriebe dient auch dazu, bestimmte Hygienemindestanforderungen festzulegen, auch wenn der Betrieb schon viele Jahre existiert. Damit können auch Auflagen an bestimmte Verfahrensabläufe oder die Ausstattung des Betriebes gekoppelt sein sowie der Hinweis auf eine „gute Hygienepraxis“. In der Regel wurden in Sachsen mit der Genehmigung der Betriebe die derzeitige Kategorisierung und die Mitteilung zum Intervall der risikoorientierten Gesundheitsüberwachung durch den FGD verbunden. Zwei Betriebe erfüllten die Vorraussetzungen, um als Verarbeitungsbetrieb zu Seuchenbekämpfungszwecken zugelassen zu werden.

Empfehlungen zur „guten Hygienepraxis“
 

1. Zukauf (für Betriebe der Kategorie III)

  • Zukauf möglichst nur aus Schutzgebieten, bzw. aus Betrieben mit höherem oder gleichwertigem Gesundheitsstatus.
  • Zukauf nur aus Betrieben mit bekanntem Gesundheitsstatus und guter Hygienepraxis.
  • Zukäufe von Fischen möglichst in seuchenhygienisch separate epidemiologische Einheiten einsetzen, keine Vermischung von Fischen aus verschiedenen Herkünften.
  • Fische, die bei Ankunft klinische Zeichen einer Krankheit oder Schädigung zeigen, nicht annehmen.

2. Anlagensicherheit (Forellenzucht, Intensivhaltungen)

  • Siebe oder Rechen in Zu- und Ablauf, um Fischwechsel zu verhindern.
  • Umzäunung.
  • Möglichst Überspannung, auch an den Seiten, um das Einwechseln von Vögeln in die Anlage zu verhindern.
  • Möglichst keine Fremdfahrzeuge in die Anlage.
  • Vorhalten von Verladevorrichtungen, damit Transportfahrzeuge nicht auf das Betriebsgelände fahren müssen.
  • Kein Besucherverkehr im Aufzuchtbereich.
  • Desinfektionspflicht am Ein-/Ausgang des Aufzuchtbereiches für Betriebsfremde und Mitarbeiter.
  • Das Abwasser eines Schlachthauses muss über die Kanalisation abgeführt oder ordnungsgemäß entsorgt werden.

3. Desinfektion (Forellenzucht, Intensivhaltungen)

  • Reinigung und Desinfektion von Fahrzeug und Transportbehältern inkl. Gerätschaften nach jedem Fischtransport zwischen verschiedenen epidemiologischen Einheiten (Dokumentation).
  • Reinigung und Desinfektion von Fischhaltungseinheiten vor Neubesatz (Forellenzucht, Intensivhaltungen).
  • Regelmäßige Reinigung und Desinfektion von Gerätschaften wie Wannen, Netze, Kescher, Wathosen, Regenkleidung, Stiefel, Sortiergerät.
  • Es sind grundsätzlich für den Anwendungsbereich und die Temperaturbedingungen geeignete Desinfektionsmittel zu verwenden.
  • Möglichst Verwendung eigener Gerätschaften für jede epidemiologische Einheit.

 Die risikoorientierte Gesundheitsüberwachung entsprechend den §§ 7 bis 9 der Verordnung sollte mindestens in solchen Intervallen erfolgen wie es die RL 2006/88/EG vorgibt. Das kann ein bis dreimal jährlich (Kategorie III, keine Infektion bekannt, Risikoniveau der Krankheitsübertragung hoch) sein oder auch nur einmal alle zwei Jahre (Kategorie I, EU zugelassener Betrieb, Risikoniveau der Krankheitsübertragung gering). Die Gesundheitsüberwachung erfolgt nicht automatisch, sondern der Fischhalter muss sich im Rahmen der Eigenkontrollpflicht um die Untersuchung durch z.B. den Fischgesundheitsdienst (FGD) als qualifizierten Dienst selbst bemühen. Das heißt nicht, dass der FGD nicht willens ist, die Untersuchungen durchzuführen, sondern dass durch die Kategorisierung unterschiedliche Intervalle entstanden sind. Die Einhaltung der Vorschrift kann u.a. bei CC- Kontrollen eine Rolle spielen. Die Durchführung der amtlichen Kontrollen liegt jedoch nicht in der Verantwortung des Fischhalters. Übrigens ist der oft diskutierte Fakt, gar nicht untersuchen zu lassen, in der Verordnung nicht vorgesehen. Wichtig ist außerdem, dass erhöhte Sterblichkeiten, die nicht eindeutig auf die Haltungs- und Transportbedingungen zurückzuführen sind, unverzüglich der zuständigen Behörde mitzuteilen sind.
Die Buchführungspflicht nach §8 der FiSVO bezieht sich auf genehmigungs- und registrierungspflichtige Aquakulturbetriebe. Allerdings kann es sich bei letzteren nur um den Nachweis der Zukäufe (z.B. Belege) beschränken. Erhöhte Sterblichkeiten sind jedoch zu dokumentieren. Die Entscheidung, ob eine erhöhte Sterblichkeitsrate vorliegt oder nicht, muss im Zweifelsfall mit der zuständigen Behörde oder dem qualifizierten Dienst getroffen werden.
Zur Verhütung und Bekämpfung von Krankheiten können nach der RL 2006/88/EG Überwachungs- und Tilgungsprogramme erstellt werden. Ein Tilgungsprogramm wie das sächsische KHV Tilgungsprogramm muss durch die Europäische Kommission zugelassen werden. Die Zulassung des KHV Tilgungsprogramms erfolgte durch den Beschluss der Kommission 2009/975/EG. Auf die näheren Bedingungen des Programms soll an dieser Stelle nicht eingegangen werden. Beim Inverkehrbringen von Fischen ist zu beachten, dass Fische nur aus Zonen oder Kompartimenten mit vergleichbarem oder besserem Gesundheitsstatus verbracht werden dürfen. Für das Verbringen von Fischen in ein Schutzgebiet oder ein Gebiet, für das ein Überwachungs- oder Tilgungsprogramm genehmigt wurde, ist grundsätzlich eine Tiergesundheitsbescheinigung nach Anlage 2 der FiSVO vorgeschrieben. Dahinter verbirgt sich der sogenannte Anlagenpass, der dem Betrieb vom zuständigen Veterinäramt ausgestellt wird. Präzisiert werden durch die Ausführungshinweise außerdem die Schutzmaßregeln nach Ausbruch einer nicht exotischen Seuche wie z.B. die Virale Hämorrhagische Septikämie (VHS) oder Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen (KHV). Schutzmaßregeln beziehen sich nur auf empfängliche Arten und Überträgerarten. Welche Schutzmaßregeln im Falle der KHV Bekämpfung angewendet werden müssen, bedarf immer der Einzelfallbetrachtung.
Abschließend sei gesagt, dass ein Großteil der sächsischen Veterinärbehörden, insbesondere , was die Registrierungs- und Genehmigungspflicht anbelangt, die Fischseuchenverordnung umgesetzt hat oder in Kürze umsetzen wird.

 

Dr. med. vet. Grit Bräuer, Fischgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse