Startseite Pferdegesundheit Wieder Auftreten der Atypischen Weidemyopathie in Sachsen!

Pferd-mit-Atypischer-WeidemyopathieWieder vermehrt Todesfälle durch die Atypische Weidemyopathie!

In diesem Herbst treten erneut Fälle der Atypischen Weidekrankheit gehäuft in Sachsen und Thüringen auf. So sind bislang dem Pferdegesundheitsdienst (PGD) 32 erkrankte Pferde aus 18 Betrieben bekannt geworden, von denen 7 Tiere überlebt haben. Zuletzt war im Herbst 2009 ein gehäuftes Auftreten der Erkrankung verzeichnet worden. Auch aus anderen Bundesländern (NRW, Niedersachsen) sowie aus Österreich (Kärnten) werden Fälle gemeldet.

Die atypische Myopathie ist ein Muskelleiden, das in den meisten Fällen rasch zum Verenden der Pferde führt. Verbreitet ist die Erkrankung in weiten Teilen Europas. Sie betrifft nahezu ausschließlich Weidetiere.

Die Krankheit tritt plötzlich innerhalb von 1 bis 2 Tagen nach den ersten Nachtfrösten im Herbst auf. Bei ca. 90% der betroffenen Pferde verläuft die Krankheit fatal. Oft sind nur einige, junge Pferde einer Herde betroffen. Typische Symptome sind Kolik, Schwäche, Probleme beim Aufstehen, Bewegungsunlust, dunkler Urin, Zittern, Schweißausbrüche und Teilnahmslosigkeit. Auch Unterkühlung, Atemnot und Schluckprobleme sind Anzeichen. Der Appetit ist meist lange erhalten – selbst Pferde in Seitenlage wollen teilweise noch fressen. Bei der rektalen Untersuchung stellt der Tierarzt oft eine prall gefüllte Harnblase fest. Im Blut sind die Muskelenzymwerte stark erhöht.

Die Ursache der Erkrankung ist nach wie vor unklar. Hypothesen zum Ursprung gibt es einige. Höchstwahrscheinlich handelt es ich um eine Mehrfaktorenerkrankung. Der PGD hat viele Weiden, auf denen Pferde an der Atypischen Weidemyopathie erkrankt waren, besichtigt: Allen gemeinsam ist, dass es sogenannte Splitterflächen sind, d.h. Dauergrünland, dass wenig bis gar nicht bewirtschaftet und schon lange als Pferdeweide genutzt wird. Es zeichnet sich aus durch sehr starken Verbiss auf der einen Seite sowie Geilstellen mit langem, verfilztem Gras auf der anderen. Oft sind Hanglagen betroffen sowie angrenzende Bäume (Eichen, Eschen, Ahorn, Obstbäume) und Sträucher vorhanden. Die Pferde waren fast immer Tag und Nacht auf den Weiden und bekamen keine Zufütterung. Durch die jahrelange Nutzung dieser Flächen ohne Weidepflege und bedarfsgerechte Düngung sind die Pflanzen biss- und trittgeschädigt sowie mit Nährstoffen unterversorgt. Das macht Sie auf der einen Seite anfälliger für Krankheiten und auf der anderen Seite enthalten sie als Nahrungsgrundlage für die Weidepferde zu wenig Mineralstoffe und Spurenelemente. Letzteres konnte durch Grasproben von 4 betroffenen Koppeln aus Thüringen und Sachsen im Herbst 2009 durch den PGD nachgewiesen werden. Diese enthielten zu wenig Natrium, z.T. Chlorid, Kupfer, Selen und z.T. Zink. Anhand von Blutproben betroffener Pferde konnte in diesem Herbst festgestellt werden, dass die betroffenen Pferde überwiegend mittel- bis hochgradig erniedrigte Selenwerte im Blut aufwiesen. Selen und Vitamin E sind sehr wichtige Substanzen für den Muskelstoffwechsel.

Typische-WeideDieser vermutete Mangel an Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen macht die Tiere höchstwahrscheinlich anfällig für die Wirkung von Pilz-, Pflanzen- oder Bakteriengiften. Da die Erkrankung gehäuft nach ersten Frostnächten im Herbst auftritt, wäre eine These, dass dadurch freigesetzte giftige Stoffe vermehrt durch die Pferde aufgenommen werden. Auch fällt nach Herbstfrösten vermehrt Laub von den Bäumen, welches die Pferde aufnehmen z.B. Ahornblätter.

Hinzu kommt, dass durch die Abkühlung in der Nacht der Muskelstoffwechsel der Pferde als wichtigster Wärmeproduzent auf „Hochbetrieb“ läuft, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten. Eine Mangelversorgung mit Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen einerseits sowie die gleichzeitige Einwirkung von Giftstoffen könnten eine Rolle bei der Entstehung der Weidemyopathie spielen. Es hat sich in einigen Fällen bewährt, betroffene Tiere nach dem Auftreten erster Symptome aufzustallen und mit Infusionen zu behandeln. Die gesunden Pferde der Herde müssen beobachtet und zugefüttert werden. Durch Blutuntersuchungen sollte festgestellt werden, ob auch diese Tiere äußerlich nicht sichtbar geschädigt sind und behandelt werden müssen.

Da die ersten Fälle der Weidemyopathie in Mitteldeutschland bisher nicht vor Oktober aufgetreten sind, sind die Pferde auf oben beschriebenen Weideflächen als wirksamste Vorbeugemaßnahme ab Ende September aufzustallen. Bei geschlossener Schneedecke können diese Flächen wieder als Auslauf genutzt werden. Vorsicht ist auch im Frühjahr geboten, da auch vereinzelt Fälle im April und Mai nach der Schneeschmelze aufgetreten sind. Im Sommer sind bislang noch keine Fälle beschrieben worden. In den Herbst- und Frühjahresmonaten sollten die Pferde nur auf gut bewirtschafteten Weiden gehalten und entsprechend zugefüttert werden, um ihren erhöhten Bedarf an Spurenelementen und Vitaminen bei niedrigen Temperaturen zu decken.

Derzeit verfolgt der PGD Fälle vom Weidemyopathie anhand von Harnproben toxikologisch weiter. Außerdem wird mittels Blut- und Organproben, die Selenversorgung betroffener Pferde näher analysiert.

Bei Auftreten von Fällen in Ihrem Bestand nehmen Sie bitte Kontakt mit dem PGD auf:

PGD der Sächsischen Tierseuchenkasse

Dr. Uwe Hörügel

0351/8060821

0171/4836069

Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

www.tsk-sachsen.de