Startseite Pferdegesundheit Sommerekzem beim Pferd

Sommerekzem1Das Sommerekzem - nach wie vor aktuell zu dieser Jahreszeit 

Es ist immer wieder ein jämmerliches Bild: ein sich vor Juckreiz scheuerndes, unruhig umherlaufendes und z. T. am Boden reibendes Pferd

mit Sommerekzem! Man stellt sich natürlich zwangsläufig die Frage, ob es nicht möglich ist, das quälende Jucken zu lindern? Ja, es ist möglich!

Ursache des Sommerekzems - Das Sommerekzem ist das Resultat einer allergischen Reaktion der Pferde auf den Speichel von bestimmten, blutsaugenden Insektenarten. Es handelt sich in erster Linie um Stechgnitzen (Culicoides) und Kriebelmücken. Ist die Allergie einmal zum Ausbruch gekommen, reichen wenige Insektenstiche, den Juckreiz als Symptom der Überreaktion des Immunsystems aufrechtzuerhalten. Aber warum tritt diese Allergieform bei einem Pferd auf und bei dem anderen nicht?

Begünstigende Faktoren des Sommerekzems - Es wird vermutet, dass die Veranlagung für diese Erkrankung genetisch bedingt ist. Forschungen an der Universität in Utrecht (Niederlande) gehen derzeit dieser Möglichkeit nach. Betroffene Tiere sollten nicht zur Zucht verwendet werden. Das Sommerekzem ist aber keineswegs eine reine Erbkrankheit. Es spielen weitere Faktoren, wie die Rasse und die Fütterung eine begünstigende Rolle. Es sind vorrangig Pferde der nordischen Rassen (z.B. Isländer) betroffen. In Bezug auf die Fütterung sollte darauf geachtet werden, dass die Pferde nicht übergewichtig sind, nicht zu viel Energie und Eiweiß zu sich nehmen und ausreichend mit Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt sind. Wenig Bewegung begünstigt im Zusammenhang mit Weidegang auf üppigem Grasland die Gewichtszunahme sowie die Übersäuerung des Organismus.

Häufigkeit des Sommerekzems - In Deutschland soll die Häufigkeit des Auftretens des Sommerekzems bis zu 29% betragen, in England dagegen nur 2,8% und in den Niederlanden 8-18%. Aus Australien wird von 32% berichtet. Das Auftreten scheint zuzunehmen, wobei es dafür keine verlässlichen Daten gibt. Mögliche Ursachen für das häufigere Auftreten könnten die Klimaerwärmung und der reduzierte Einsatz von Insektiziden in der Landwirtschaft, aber auch die Verbreitung der genetisch fixierten Allergiebereitschaft in der Pferdepopulation darstellen.

Jahreszeitliche Verbreitung des Sommerekzems - Der Lebenszyklus der Insekten ist an Temperaturen über 5oC gebunden, weshalb das Sommerekzem, wie der Name schon vermuten lässt, hierzulande nur in den warmen Jahreszeiten auftritt. In den Wintermonaten können die Symptome der Erkrankung vollständig abheilen, was insbesondere beim Kauf eines Pferdes im Winter ein Problem darstellen kann. Insekten der Culicoides-Familie sind im Übrigen auch für die Übertragung von Tierseuchenerregern wie die Viren der Blauzungenkrankheit bei Rindern, Schafen und Ziegen sowie der Afrikanischen Pferdepest verantwortlich.

Symptome des Sommerekzems - Das unfehlbare Symptom ist der quälende Juckreiz. Durch das damit verbundene Scheuern entstehen zerzauste oder blutig geriebene Mähnenkämme und Schweifrüben. In extremen Fällen sind diese Stellen haarlos und auch die Unterseite des Brustkorbes ist blutig gescheuert. Durch Besiedlung der erkrankten Haut mit Bakterien und Pilzen können diese Stellen auch eitrig und nässend sowie der Juckreiz verstärkt werden. Diese Tiere können unreitbar sein, da sie sich zum einen ständig schütteln, nervös sind und versuchen an allen möglichen Gegenständen zu reiben und es zum anderen unverantwortlich ist, auf die lädierten Hautpartien einen Sattel oder Sattelgurt aufzubringen. Oft ist eine Zunahme des Schweregrades der allergischen Reaktion von Jahr zu Jahr zu erkennen.

Sommerekzem2Diagnostik des Sommerekzems - Anhand der typischen Symptomatik und des saisonalen Auftretens des Sommerekzems bereitet die Diagnostik im Sommer kaum Schwierigkeiten. Das Problem ist die Symptomfreiheit im Winter. Es kann sich also durchaus das Schnäppchen beim Pferdekauf im Winter als „Sommerekzemer“ in den warmen Jahreszeiten entpuppen. Wenn man als Privatperson das Pferd von einem Unternehmer gekauft hat, kann man es zurückgeben. Der Verkäufer muss nämlich beweisen, dass das Pferd bei ihm noch kein Sommerekzem entwickelt hatte. Beweisbar ist dies nur durch einen vor dem Verkauf durchgeführten Bluttest (Funktioneller Invitro-Test, FIT). Dieser FIT zeigt eine bestehende Allergiebereitschaft des Tieres unter anderem gegenüber Insektenspeichel an. Ein positiver FIT bedeutet allerdings nicht, dass das Pferd an einem Sommerekzem erkranken wird. Das Auftreten der Erkrankung hängt von weiteren Faktoren wie Standort (Insektenaufkommen), genetischer Disposition sowie Fütterung ab.

Vorbeugung und Behandlung des Sommerekzems - Die besten vorbeugenden Maßnahmen sind, eine Überversorgung der Pferde mit Energie und Eiweiß sowie einen Mineralstoff- und Spurenelementmangel zu vermeiden (nur stundenweise auf Weide, kurz gefressene Koppel, Mineralfutter für Pferde zufüttern, keine zusätzlichen Konzentrate). Weiterhin sollten die Pferde regelmäßig bewegt werden, um Übergewicht zu vermeiden. Während der Hauptflugzeiten der Insekten in der Dämmerung sollten die Tiere im Stall gehalten werden. Die Stallhaltung bietet den Pferden auch die Möglichkeit der Erholung von der Insektenplage. Während der Nacht und am helllichten Tage können sie ruhig auf der Weide gehalten werden. Eine Weidehütte bietet zusätzlich Schutz vor Insekten. Zu bevorzugen sind windige Koppeln. Koppeln in der Nähe von fließenden Gewässern als Brutstätte der Insekten sind zu meiden. Die Insekten können aber durchaus bis zu 10 km weit fliegen. Wichtig ist, die betroffenen Pferde möglichst vor Stichen der Insekten zu schützen. Dies kann man zum einen durch das Auftragen von Repellentien (Mittel, die die Insekten fernhalten) auf die Haut und zum anderen durch das Tragen von Ekzemerdecken erreichen. Repellentien auf Permethrin-Basis sind in Deutschland für die Anwendung am Pferd zugelassen (z.B. Wellcare Emulsion®). Allerdings ist deren Wirkungsdauer sehr von der Witterung abhängig und sie müssen z.T. täglich aufgetragen werden. Billiger und „natürlicher“ ist dagegen die Anwendung von speziellen Pferdedecken, die auch den Hals, die Ohren, die Schweifrübe sowie den Bauchbereich bedecken und damit für Insekten unzugänglich machen. Das Bild eines Pferdes mit solch einer Decke ist zwar gewöhnungsbedürftig, dafür ist diese Methode aber sehr wirksam. Allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Decke schon vor Beginn der Insektenplage getragen wird und, dass sie möglichst eng verschnallt ist, um ein Verrutschen zu verhindern.

Durch die Impfung von Ekzemerpferden im zeitigen Frühjahr mit dem Pilzimpfstoff Insol® (2 Impfungen im Abstand von 2 Wochen) konnten insbesondere bei Pferden, die das Sommerekzem erst in jüngerer Zeit entwickelt hatten, gute Erfolge verzeichnet werden. Aber auch bei diesen Pferden kann nicht auf die oben genannten Prophylaxemaßnahmen verzichtet werden.

Den betroffenen Tieren sollten auch Scheuermöglichkeiten in Form von Bürsten oder Besenköpfen angeboten werden, da diese die Haut weniger schädigen. Infektionen der Haut können mit desinfizierenden und heilenden Salben behandelt werden.

In hartnäckigen Fällen kann eine Behandlung mit entzündungshemmenden und antiallergischen Medikamenten auf Kortisonbasis notwendig werden.

Bei Einhaltung der genannten Maßnahmen ist es durchaus möglich, den Juckreiz zu lindern und somit das Leben eines Ekzemerpferdes erträglich zu machen.

Um mehr Datenmaterial über das Auftreten und die Verbreitung des Sommerekzems sowie anderer Krankheiten bei Pferden in Sachsen und Thüringen zu sammeln, hat der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. und der Pferdegesundheitsdienst zusammen mit einem Leipziger Tiermedizinstudenten einen Fragebogen entworfen. Dieser Fragebogen wird im Juli an die Pferdezüchter mit der dringenden Bitte um Beantwortung und Rücksendung verschickt.

Bitte nehmen Sie sich die Zeit, den Fragebogen zu bearbeiten!

Nur so ist es möglich, einen Überblick über das Krankheitsgeschehen zu bekommen und entsprechende Prophylaxemaßnahmen abzuleiten.

Dr. med. vet Uwe Hörügel