führen. Die Tatsache, dass in freie oder Sanierungsbestände nur BHV1-freie Tiere mit amts-
tierärztlichem Attest eingestellt werden dürfen, ist leider noch nicht allen Tierhaltern und Tierärz-
ten bewusst.
Die ersten größeren Betriebe konnten die Sanierung bereits abschließen und den Status "BHV1-
frei" erhalten. Aufgrund der Gesamtentwicklung hat die SächsTSK seit 1999 eine Merzungsbeihilfe
für die Schlachtung der letzten Reagenten bereitgestellt.
BVD/MD-Bekämpfung
Diese wirtschaftlich bedeutsame Virusinfektion scheint in den Jahren 1999/2000 wieder an Be-
deutung zugenommen zu haben; nicht zuletzt auch aufgrund des geschärften Problembewusst-
seins wurde die Diagnose BVD/MD wieder häufiger gestellt. Diagnostische Besonderheiten und
Bekämpfungsstrategien werden ausführlich im Punkt 4.2 diskutiert. Seitens des RGD wurden für
Betriebe der obersten Zuchtebene Vorschläge erarbeitet, den Verbreitungsgrad der Erkrankung zu
erfassen, dann einen Bestandsstatus gemäß der Bundesleitlinie anzustreben und virusfreie Tiere im
Zuchtviehhandel anzubieten. Bisher war das Interesse an diesen Maßnahmen leider noch gering
ausgeprägt. Landwirte und Tierärzte müssen sich künftig auf eine flächendeckende BVD/MD-
Bekämpfung einstellen, erste Gedanken zum Erlass einer Bundesverordnung werden diskutiert.
Fütterung und Stoffwechsel
Die sächsischen Milchproquzenten konnten auch in den Jahren 1999 und 2000 die Milchleistun-
gen weiter steigern bzw. auf hohem Niveau stabilisieren. Wesentliche Voraussetzungen dafür sind
gutes Management, hervorragendes genetisches Leistungspotential und eine ausgewogene Fütte-
rung. Die Ausschöpfung des Leistungsvermögens gelingt jedoch nur, wenn die Kuh gesund ist. Im
hohen Leistungsbereich entstehen Probleme oftmals dann, wenn die Balance zwischen einer
hohen Energiedichte der Grundration und der notwendigen Versorgung mit strukturwirksamer
Rohfaser gestört ist. Die sich in der Folge entwickelnden Stoffwechselstörungen sind einerseits Ur-
sache für nicht den Erwartungen entsprechende Milchleistungen (z. B. zu geringer Melkdurch-
schnitt im Vergleich zur angebotenen Ration), aber auch Ausgangspunkt weiterer Erkrankungen,
wie z. B. Fruchtbarkeitsstörungen, Klauenerkrankungen, verminderte Abwehrleistungen u.s.w.
Es ist nicht einfach, diese komplexen Zusammenhänge zu erkennen, richtig zu interpretieren und
wirksam zu korrigieren. Hier ist vor allem auch die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Spe-
zialisten gefragt.
ach ersten Hinweisen auf Stoffwechselstörungen aus dem Bericht der Milchleistungskontrolle
können gezielt eingeleitete Untersuchungen von Blut- und Harnproben die Diagnose sichern. An
der LUA Sachsen werden weit über 200 Bestandsuntersuchungen pro Jahr durchgeführt. Hinzu
kommen noch zahlreiche Einzeluntersuchungen zu ganz speziellen Problemen. Folgende Schwer-
punkte können kurz zusammengefasst werden:
Störungen im Mineralstoffwechsel (Kalzium, Phosphat, Magnesium, Natrium) sind für einen
hohen Anteil der akuten Erkrankungen verantwortlich. Sie kommen im Bestand jedoch häufiger
vor, wenn durch subklinische Azidosen oder Ketosen die Tiere vor allem im geburtsnahen Zeit-
raum geschwächt werden.
Nach wie vor ein großes Problem - wenn nicht das Kardinalproblem überhaupt - ist die negative
Energiebilanz nach der Geburt, die mit einer überstürzten Fettmobilisation einhergeht. Ausgangs-
punkt ist oftmals eine massive energetische Überversorgung bereits im letzten Laktationsdrittel
und nachfolgend eine ungünstige Gestaltung der Trockensteher- und Transitfütterung. Im Lei-
stungsniveau unausgeglichene Herden und Herden mit Problemen in der Fruchtbarkeit stellen
diesbezüglich die größten Anforderungen an das Management. Die Bildung unterschiedlicher Füt-
terungsgruppen, restriktive Fütterung zur Vermeidung eines hohen Fettansatzes, die Beurteilung
der Körperkondition oder der Rückenspeckdicke sind wichtige Instrumente, die in vielen Betrie-
ben noch effektiver eingesetzt werden könnten.
Die energetische Unterversorgung zu Beginn der Laktation - in gewissen Grenzen physiologisch-
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