Seite 59 - Jahresbericht_Vorlage

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Mit Ausnahme der Rastzeit (RZ) und des Besamungsindex (Bi) der Färsen weisen alle anderen
Kennzahlen
z:
T. deutlich negative Tendenzen aus; insbesondere die lange Zwischenträchtigkeits-
zeit (ZTZ) von 124 Tagen mit der erheblichen Streuung (10
%
der schlechtesten Tiere liegen über
einer ZTZ von 213 Tagen!) ist im Zusammenhang mit der Gesamtträchtigkeitsrate kritisch zu be-
werten. Leider werden wichtige Daten wie die Trächtigkeitsrate aus Erst-, Zweit- und Gesamtbe-
samungen in dieser Auswertung nicht mehr erfasst. Die Streuung der Ergebnisse nimmt vom Land
über die Kreise bis hin zu den Betrieben ganz erheblich zu.
Seitens des RGD wird häufig festgestellt, dass im Betrieb Datenmaterial zur Fruchtbarkeit nur un-
zureichend ausgewertet wird, da man sich vordergründig an der aktuellen Milchablieferung ori-
entiert. Eine Analyse der Fertilitätsdaten ist jedoch dringend nötig und über verschiedene Wege
(Karteikarten, eigene pe-Programme, .Zuchtrnanager" des Fachberaters des SRV u. a.) möglich.
Die Erkennung und Behebung von Fruchtbarkeitsproblemen
ist immer eine
.Tcarn<Arbeit,
je nach
Sachlage sollten Fachleute der jeweiligen Gebiete eingebunden werden.
im Folgenden wird aus der Sicht des RGD auf Schwerpunkte der einzelnen Reproduktionsab-
schnitte hingewiesen:
im Besamungszeitraum steht neben den wichtigen Fragen der Besamungsorganisation (Wahl der
RZ-Länge, Brunstbeobachtung, optimaler Besamungszeitpunkt, effektive Umrindererkontrolle
usw.) vor allem die konsequente Beschäftigung mit sogenannten .Sterilitätsticrcn"
im Blickpunkt.
Diese müssen aus der Anonymität herausgehoben, einer intensiven tierärztlichen Untersuchung
mit Befunddokumentation und ggf. einer Behandlung zugeführt werden. Eine exakte Untersu-
chung muss z. B. solche Fragestellungen klären, ob die Tiere einen regelmäßigen Zyklus aufwei-
sen, aber möglicherweise Störungen an der Gebärmutterschleimhaut eine Konzeption verhindern,
oder ob z. B. aufgrund schwerer Stoffwechselbelastungen die Eierstöcke funktionslos sind und
keine Brunstzyklen ablaufen. Es wird sicher deutlich, dass die exakte Untersuchung die Grund-
lage für eine erfolgreiche Behandlung ist. Die .Auffanglinie" für den Beginn dieser Maßnahmen
ist herdenspezifisch zu ermitteln (z. B. 70 - 80 Tage nach der Geburt). Die bewusste Wahl einer
langen Rastzeit vor dem Hintergrund einer hohen Milchleistung scheint in der Mehrzahl unserer
Betriebe gegenwärtig nicht angezeigt.
im Verlaufe der Trächtigkeit können embryonaler Fruchttod und Aborte die Fruchtbarkeit erheblich
beeinflussen. Die Aufklärung vor allem infektiös bedingter Aborte ist nicht einfach, erfordert dia-
gnostischen Aufwand und u. U. viel Geduld. im Vergleich zur Untersuchung von Blutproben auf
verschiedene infektionskrankheiten
ist die Einsendung von frisch abortierten Feten und Eihauttei-
len viel wichtiger, um vor allem direkt Erreger nachweisen zu können. Es ist ein dramatischer
Rückgang an diesem wertvollen Untersuchungsmaterial zu beklagen. 1999 wurde lediglich von
330 Rindern Material zur Abortabklärung an die LUA eingesandt.
Nicht zuletzt auch aus Gründen der Erkennung von Tierseuchen hat die SächsTSK seit Jahren die
Abortabklärung finanziell über Beihilfen gefördert und sieht es auch für die Zukunft als notwen-
dig an.
Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt - wahrscheinlich der wichtigste überhaupt - für die Frucht-
barkeit ist der Zeitraum um die Abkalbung. Die bekannten Zusammenhänge zwischen Überver-
sorgung vor der Geburt - bereits beginnend im letzten Laktationsdrittel -, Geburtsstörungen mit
schwerwiegenden Folgen für Muttertier und Kalb, Störungen im Nachgeburtsstadium mit man-
gelnder Futteraufnahme, Fettmobilisation und Stoffwechselentgleisungen (Ketose) beeinflussen
entscheidend die nachfolgende Fruchtbarkeit. Es ist anerkanntermaßen schwierig, die optimale
Konditionierung aller Tiere zu gewährleisten, vor allem, wenn der Tierbestand in sich noch nicht
ausgeglichen ist.
Aus tierärztlicher Sicht ist vor allem auf die problematische Konstellation von verzögerter Rück-
bildung der Gebärmutter nach der Geburt und der Gefahr des massiven Eintritts von Erregern aus
der Umgebung hinzuweisen. Optimale Aufstallungsbedingungen und Hygiene im Abkalbebereich
sowie ein erhöhter personeller Beobachtungs- und Betreuungsaufwand sind aus tiergesundheitli-
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