BVD-Impfverbot kommt im Frühjahr 2021

Zahl der BVD-Ausbrüche / Jahr in Sachsen (Quelle: TSN)

Im Jahr 2021 wird es mit dem Stichtag 21. April zu einer Neuordnung des Tierseuchenrechtes auf Europäischer Ebene kommen.

Aufgrund der Kategorisierung der BVD sind Neuregelungen bezüglich dieser verlustreichen Infektionskrankheit im Tiergesundheitsrechtstaktes vorgeschrieben und ziehen neue Rechtsvorschriften nach sich, die am benannten Stichtag in Kraft treten werden.

Die strikte Bekämpfung der BVD auf der Basis der nationalen BVD-Verordnung verlief erfolgreich, so dass in den letzten Monaten nur noch sehr wenige BVD-Ausbrüche in Deutschland registriert werden und die BVD-Strategie neu ausgerichtet werden kann. In diesem Zuge wird das Land Sachsen gemeinsam mit anderen Bundesländern den Status „frei von BVD“ beantragen. Voraussetzung dafür ist unter anderem ein Impfverbot gegen BVD, welches im Laufe des Frühjahres 2021 in Kraft treten wird.

In Sachsen wurde die Bekämpfung der BVD/MD – bereits beginnend Ende der 90er Jahre als freiwilliges Verfahren auf der Basis eines Programms der Tierseuchenkasse und des Staatsministeriums für Gesundheit – erfolgreich durchgeführt. Seit 2019 sind hier keine BVD-Ausbrüche mehr festgestellt worden (Abb. 1). Einen wesentlichen Bestandteil der Bekämpfungsstrategie stellte die Impfung dar, die selbst nach dem Verdrängen des Erregers noch in Form von vorbeugender Schutzimpfung fachlich begründet war und empfohlen wurde.

Zukünftig wird die Strategie – analog zur BHV1 – auf die Eliminierung des Erregers aus der Rinderpopulation und die Überwachung der Freiheit vom BVD-Virus durch verschiedene diagnostische Maßnahmen unter wachsender Bedeutung der Untersuchung auf Antikörper (serologische Untersuchung) ausgerichtet sein. Voraussetzung hierfür ist aber die Antikörperfreiheit, also die Schaffung ungeimpfter Bestände. Dies hätte außerdem Vorteile im Handel mit bereits freien Europäischen Gebieten (Alpenländer, Skandinavien). Andererseits sind ungeimpfte Bestände wiederum voll empfänglich gegenüber einer Neueinschleppung des Erregers mit nachfolgender Infektion und klinischen Auswirkungen. Um einen Ausbruch zu verhindern ist das Etablieren und das Verschärfen von Biosicherheitsmaßnahmen im Bestand besonders wichtig.


Beachten Sie hierfür das analog zu verwendende Merkblatt zur Biosicherheit bez. BHV1

Merkblatt


Ab 2021 entfallen die Beihilfen der Tierseuchenkasse für die BVD-Impfungen mit einer Ausnahme (amtlich angewiesene Impfungen im Falle eines BVD-Neuausbruchs). Bitte beachten Sie, dass Sie noch bis spätestens zum 30.06.2021 die Möglichkeit haben, für die 2020 durchgeführten Impfungen die Beihilfen gemäß geltender Leistungssatzung von 2020 zu beantragen.


Für die zukünftige Überwachung der BVD-Freiheit wird neben der noch einige Zeit erforderlichen Ohrstanze die Serologie eine entscheidende Rolle spielen. Diese serologischen Stichprobenuntersuchungen geben oft erste Anhaltspunkte für eine Neueinschleppung des Erregers in den Betrieb. Dadurch ist ein Infektionsgeschehen frühzeitiger erkennbar, bevor es die positiven Ergebnisse aus einer Ohrstanzuntersuchung ermöglichen würden. Es wird daher allen Rinderhaltern bereits jetzt empfohlen, die altbekannten „Jungtierfenster“ beizubehalten oder neu in die Tiergesundheitsüberwachung einzubinden. Zur Größe der Stichproben und dem Alter der zu untersuchenden Tiergruppen werden im Zuge des Inkrafttretens der neuen EU-BVD-VO oder durch Allgemeinverfügungen des Landes Regelungen veröffentlicht.

Die Sächsische Tierseuchenkasse wird in Abstimmung mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und gesellschaftlichen Zusammenhalt das BVD/MD-Programm für 2021 anpassen.

Link zum BVD-Programm und zur Beihilfemöglichkeit