West Nil Virus Infektion

Der Pferdgesundheitsdienst der Sächsischen Tierseuchenkasse informiert.

Am 11. September 2018 wurde zum ersten Mal in Deutschland bei einem Pferd das West Nil Virus (WNV) festgestellt. Es handelte sich um ein 5 Monate altes Fohlen in Brandenburg, welches auf Grund einer Bewegungsstörung (Ataxie) eingeschläfert und an der LUA Sachsen auf die Krankheitsursache untersucht wurde.

In Deutschland ist eine Infektion mit WNV anzeigepflichtig, d. h. sie muss auch schon bei Verdacht dem zuständigen Veterinäramt angezeigt werden. Das Pferd als sogenannter Fehlwirt infiziert sich über blutsaugende Stechmücken, kann das Virus aber nicht weiter verbreiten. Aus diesem Grund sind keine weiteren staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Ausbreitung vorgesehen. Hauptwirte für das WNV sind Vögel, zwischen welchen das Virus über blutsaugende Stechmücken übertragen wird.

Am 29. August 2018 wurdet das WNV erstmals in Deutschland bei einem Vogel in Sachsen Anhalt nachgewiesen:

 Pressemitteilung

Mittlerweile sind noch weitere tote Vögel in Sachsen-Anhalt, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin als WNV-Träger ausgemacht worden. In der Mehrheit handelt es sich um Greifvögel aus Vogelhaltungen.

Das Virus kann sich unter optimalen Bedingungen schnell in einer neuen Population verbreiten, wie die Epidemie in den USA zeigte. Bis 1999 war Nordamerika frei von WNV. Nach dem Erstnachweis des Virus in New York  verbreitete es sich von dort aus stetig nach Westen. Heute ist das Virus dort endemisch, d. h. ständig vorhanden.

Werden Pferde mit dem WNV infiziert, zeigen sie in der Regel keine oder sehr milde Symptome, die einer Erkältung ähneln (Fieber, Fressunlust, Abgeschlagenheit). Einige betroffene Tiere leiden auch unter Bauchschmerzen und weisen Koliksymptome auf. Die Inkubationszeit beträgt 7 – 10 Tage. Bei einem geringen Teil an Pferden, die mit WNV infiziert sind, kann das Virus Gehirn und Rückenmark schädigen (ca. 1 %). Am häufigsten werden dann bei betroffenen Tieren Inkoordination (Ataxie) insbesondere der Hinterextremitäten, Zucken der Schnauze und Unterlippe sowie Zuckungen der Muskeln in Nacken-, Schulter- oder Brustbereich beobachtet. Die Zeichen können beidseitig oder einseitig vorhanden sein. Es werden auch Verhaltensauffälligkeiten berichtet (z. B. Depressionen oder erhöhte Empfindlichkeit gegenüber äußeren Reizen, Stolpern, Neigung zur Seite und in schweren Fällen Lähmung der Hinterhand).  Andere klinische Anzeichen, die auftreten können, sind Fieber, generalisierte Schwäche, Sehstörungen, Unfähigkeit zu schlucken, zielloses Wandern und Krämpfe. Die Art und der Schweregrad der klinischen Symptome hängen weitgehend von den vom Virus betroffenen Bereichen des zentralen Nervensystems und dem Ausmaß der Schädigung ab. Bei älteren Pferden ist die Erkrankungshäufigkeit tendenziell größer. Verbessern sich die Symptome innerhalb von 3 – 7 Tagen deutlich, so besteht die Möglichkeit auf eine Heilung innerhalb von 1 – 6 Monaten. Rund 30% der schwerer erkrankten Pferde sterben oder werden aus Tierschutzgründen eingeschläfert. So starben bis 2012 in den USA 4300 Pferde an der Erkrankung.

Die Diagnose einer WNV-Infektion basiert in der Regel auf der Art der klinischen Symptome eines erkrankten Pferdes sowie auf dem Nachweis von Antikörpern gegen das Virus im Blut durch Laboruntersuchungen. Viele der klinischen Symptome einer WNV-Erkrankung  ähneln  den Symptomen anderer neurologischer Erkrankungen beim Pferd (z. B. Bornasche Krankheit, Tollwut, Pferde-Herpesvirus-1 und Botulismus) und bedürfen damit der labordiagnostischen Abklärung.

Gegenwärtig gibt es keine spezifische antivirale Behandlung für WNV-Erkrankungen. Die Behandlung konzentriert sich deshalb  auf die Kontrolle von Schmerzen und Entzündungen. Andere begleitende Maßnahmen wie intravenöse Flüssigkeitszufuhr, Sedation und Ernährungsunterstützung sollten wichtige Komponenten der Therapie sein.

Eine Reihe von Maßnahmen können ergriffen werden, um Pferde vor WNV zu schützen. Diese umfassen Managementstrategien, um die Mückenexposition zu reduzieren sowie gegen die Krankheit zu immunisieren. In Deutschland sind derzeit 2 Impfstoffe gegen das WNV zugelassen (Proteq West Nile®, Fa.  Merial und EQUIP WNV®, Fa. Zoetis).

Um die Mückenexposition der Pferde und damit das Infektionsrisiko zu senken, sollten folgende Maßnahmen eingehalten werden:

  • Mückenbrutgebiete beseitigen (alte Behälter, Reifen, stehendes Wasser, Dachrinnen reinigen, Kunststoff-Planschbecken oder Schubkarren umdrehen, Viehtränken gründlich reinigen)
  • Pferde während der Dämmerung (Hauptflugzeit der Insekten) aufstallen oder dunkle Unterstände anbieten
  • nachts kein Licht in der Nähe der Pferde brennen lassen
  • Insektenfallen aufstellen
  • Insektenschutzmittel auftragen

Pferdebesitzer müssen, wie bei allen Krankheiten, gut über die möglichen Folgen einer Infektion mit diesem Virus informiert sein und geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Risiko der Erkrankung ihrer Pferde zu reduzieren. Vorbeugung ist der Schlüssel zur Kontrolle dieser Infektion. Sie sollten sich an Ihren Tierarzt vor Ort oder den Pferdegesundheitsdienst wenden, um zu erfahren, wie Sie Ihre Pferde am besten gegen diese Krankheit schützen können.


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