Projekt des Pferdegesundheitsdienstes (PGD) in Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt zur Einschätzung der Resistenzlage von Endoparasiten in sächsischen Pferdebeständen 2022 - 2024
Ziele des Projektes waren:
Verfahrensweise- 10 sächsische Pferdebetriebe wurden ausgewählt (ges. 407 Pferde) → vorher mind. 2 Monate nicht entwurmt → Boxenhaltung mit Weidegang - Beginn im Frühjahr jeweils vor Weideauftrieb - Kotprobenentnahme aller Pferde im Abstand von 2 Monaten - Bestimmung der Eizahl (kleine Strongyliden) pro Gramm Kot (EPG) in LUA Sachsen - Pferde mit EPG > 200 wurden in Gruppen eingeteilt und mit unterschiedlichen Wirkstoffen behandelt Was hat die TSK bezahlt?- Probenentnahme erfolgte durch den PGD - Kosten für die Laboruntersuchungen in der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen wurden von der TSK getragen |
In Veröffentlichungen wird weltweit über eine abnehmende Wirksamkeit von Medikamenten gegenüber Endoparasiten (Resistenzen) bei Pferden berichtet. Resistenzen von kleinen Strongyliden gegenüber Benzimidazol- und Pyrantelpräparaten sowie von Spulwürmern gegenüber Ivermectin und Moxidectin sind bereits nachgewiesen. Die Wirkung von Ivermectin gegenüber Pfriemenschwanzwürmern (Oxyuren) ist z. T. eingeschränkt.
Auch in Sachsen wurde von Pferdepraktikern schon mehrfach der Verdacht auf derartige Resistenzen geäußert.
Kleine Strongyliden stellen hierzulande die Wurmart mit der höchsten Verbreitung bei erwachsenen Pferden dar, wobei die Infektion häufig symptomlos verläuft. Beobachtet werden jedoch auch Todesfälle bei jüngeren Pferden infolge der larvalen Form der Parasitose. Dabei überwintern die Larven der kleinen Strongyliden in einer Ruhephase (Hypobiose) in der Dickdarmwand, um dann durch einen noch unbekannten Reiz zu tausenden aus der Darmwand ins Darminnere auszuwandern. Bei dieser Aktivierung hinterlassen sie massive Entzündungsreaktionen; die betroffenen Pferde können einen unstillbaren Durchfall bekommen und an Austrocknung und Auszehrung sterben.
Für das Pferd gibt es derzeit vier zugelassene Wirkstoffe in Deutschland gegen Strongyliden. Das sind Pyrantel, Benzimidazol, Ivermectin und Moxidectin. In absehbarer Zeit ist kein neuer Wirkstoff zugelassen für Pferde zu erwarten.
Um der Resistenzentwicklung entgegenzuwirken, wird in den letzten Jahren die so genannte selektive oder zeitgemäße Entwurmung von erwachsenen Pferden postuliert. Bei dieser Bekämpfungsform werden nicht mehr alle Pferde des Bestandes behandelt, sondern nur noch die Tiere, die zu einem Zeitpunkt mehr als eine bestimmte Anzahl an Wurmeiern mit dem Kot ausscheiden. Da die Menge der ausgeschiedenen Strongylideneier beim einzelnen Pferd ohne Behandlung relativ stabil bleibt, soll sich ein Gleichgewicht zwischen Wirt (Pferd) und Parasit einstellen. Diese Würmer sollen als sogenannte Refugien dienen, d.h. sie sollen keinen Kontakt mit einem Wurmmedikament bekommen und somit auch keine Resistenzen ausbilden. Dadurch wird die Resistenzentwicklung verlangsamt.
Die selektive Entwurmung setzt voraus, dass neben einer jährlich 2 – 3-maligen parasitologischen Kotprobendiagnostik ein bestandsspezifischer Entwurmungsplan erarbeitet und eingehalten wird. Durch die Anwendung der selektiven Entwurmung und dem damit verbundenen reduzierten Einsatz von Antiparasitaria können neben der Verlangsamung der Resistenzentwicklung auch die Umweltbelastung durch die Ausscheidung von Arzneimittelrückständen vermindert und gleichzeitig Medikamentenkosten eingespart werden. Zudem wird durch die häufigeren Kotuntersuchungen ein relevanter Bandwurmbefall im Bestand ebenfalls sicherer erfasst. Bandwurmstadien werden nämlich nur unregelmäßig über den Kot der Pferde ausgeschieden.
Die normale parasitologische Untersuchung einer Kotprobe kostet in der LUA Sachsen zwischen 11 und 17 €. Der Preis ist abhängig vom Frischezustand der Probe und sollte im Vorfeld mit dem Labor abgeklärt werden. Pro Kotprobenentnahme müssen abhängig vom Parasitendruck ca. 20 % der Pferde eines Bestandes mit einem entsprechenden Wurmmittel behandelt werden. Der Anteil erforderlicher Wurmbehandlungen kann schwanken und wird beeinflusst durch die flankierenden Maßnahmen zur Reduzierung der Übertragung der Parasitenstadien, wie z. B. regelmäßiges „Abäppeln“ der Boxen, Ausläufe und evtl. Weiden, Herdengröße, Nutzungszeit pro Weide, Weidepflege und Düngung. Bei dem Preis für eine Wurmkur von ca. 20 € können durch die selektive Methode Medikamentenkosten für einen großen Teil der Pferde eingespart werden. Zudem reduziert man den Medikamenteneinsatz und somit werden die Pferde sowie die Umwelt nicht unnötig mit Arzneimitteln bzw. deren Rückständen im Kot belastet.
Zu beachten ist, dass bei der normalen Kotuntersuchung in der LUA nicht die Eizahl direkt ausgezählt wird, sondern die Anzahl der Eier wird nach entsprechender Aufbereitung der Kotprobe aus Effizienzgründen von erfahrenen Untersuchern unter dem Mikroskop geschätzt. Der Einsender erhält im Ergebnis eine negative, gering-, mittel- oder hochgradige Eianzahl in der Probe seines Pferdes. Die Auswahl der Pferde für eine anschließende Behandlung muss zusammen mit einem Tierarzt erfolgen.
Mittels Anwendung des Eizahlreduktionstestes sollen die Wirksamkeit der Behandlung überprüft und Resistenzen aufgedeckt werden. Die Wirksamkeit wird aus der Menge der ausgeschiedenen Eier vor und 2-3 Wochen nach der Entwurmung für das angewendete Medikament berechnet. Der Eizahlreduktionstest kann jedoch nur bei Pferden angewendet werden, die mehr als 200 Strongylideneier pro Gramm Kot ausscheiden. In vielen Beständen mit adulten Pferden stehen bei entsprechender Weidehygiene allerdings nur einige Pferde, die dafür in Frage kommen.
Eine uneingeschränkte Wirksamkeit der Medikamente ist dann gegeben, wenn bei Ivermectin und Moxidectin 2-3 Wochen nach der Behandlung keine Eier und bei Benzimidazol und Pyrantel höchstens noch 10% der Eianzahl von vor der Behandlung nachweisbar sind.
Ein weiterer Indikator für die Resistenzentwicklung ist die Zeitspanne zwischen Behandlung und dem ersten Wiederauftreten der Wurmeier im Kot. Sie sollte für Benzimidazol 4-6, Pyrantel 5-7, Ivermectin 8-13 und Moxidectin 14-24 Wochen betragen. In Bezug auf die kleinen Strongyliden ist dieses Intervall bei einigen Populationen in Deutschland nach Behandlung mit Ivermectin bereits auf 5 anstatt 8-13 Wochen verkürzt.
Im Rahmen eines „Projektes des Pferdegesundheitsdienstes (PGD) der Sächsischen Tierseuchenkasse in Zusammenarbeit mit dem Hoftierarzt zur Einschätzung der Resistenzlage von Endoparasiten in sächsischen Pferdebeständen“ wurden im Zeitraum von 2022 bis 2024 die Kotproben von Pferden aus 10 ausgewählten Betrieben (ges. 407 Tiere) 4-mal im Abstand von ca. 2 Monaten auf Endoparasiten untersucht (s. Abb. 2). Pferde mit mehr als 200 Eiern pro Gramm Kot, wurden in Gruppen eingeteilt und mit 3 unterschiedlichen Wirkstoffen gegen Endoparasiten behandelt. Das Moxidectin (Equest®) wurde dabei nur einmalig in 3 Beständen berücksichtigt, da es wegen seines Preises wenig angewendet wird und deshalb keine Resistenzen zu erwarten sind. Deshalb soll es eher als Reservemittel in Beständen mit hohen Resistenzen Anwendung finden. Etwa 2 Wochen nach der Entwurmung wurden die Pferde erneut beprobt und die Eizahlreduktion durch die Behandlung ausgewertet.
Im Ergebnis schied ein hoher Anteil an Pferden (16 – 73%) im gesamten Untersuchungszeitraum nicht mehr als 200 EPG Kot aus und musste vor Dezember nicht entwurmt werden (Abb. 1).
Die Wirksamkeit von Benzimidazol (z.B. Telmin®, Panacur®) war in den Betrieben mäßig bis stark eingeschränkt (s. Abb. 2).
Auch Pyrantel (z.B. Banminth®, Verminal P®, Hippoparex®, Hippotwin vet®, Jernadex®) zeigt in einigen Betrieben eine deutlich reduzierte Wirkung, wogegen es in manchen Betrieben auch noch gut bis sehr gut wirksam war (s. Abb. 3).
Bis auf einen Betrieb war das Ivermectin (z.B. Diapec P Gel®, Paramectin P®, Furexel®, Ivomec P®, Eraquell®) sehr gut wirksam (s. Abb 4). Gleiches galt auch für das Moxidectin (Equest®) welches allerdings nur in 3 Betrieben überprüft wurde.
In nur 2 Beständen wurde 2 Pferde identifiziert, die Bandwurmeier im Kot ausgeschieden hatten. Diese wurden mit einem speziellen Mittel gegen diese Wurmart (Praziquantel) behandelt.
Schlussfolgerungen
- Benzimidazol-Präparate nur noch sehr eingeschränkt anwendbar (Resistenzsituation vor Anwendung prüfen!)
- Pyrantel in einigen Betrieben noch gute bis sehr gute Wirksamkeit (Resistenzsituation vor Anwendung prüfen!)
- Ivermectin in der Regel sehr gute Resistenzsituation
- Parasitenvorkommen in jedem Betrieb unterschiedlich (abhängig von Bestandsdichte, Weidefläche, Weidemanagement usw.)
- Kotprobenuntersuchungen aller Pferde in zweimonatigem Abstand ausreichend
- Reduktion des Medikamenteneinsatzes durch selektive Entwurmung möglich und sinnvoll
- Verringerung der Umweltbelastung
- durch häufige Kotuntersuchungen gute Diagnostik von Bandwurmbefall
- bei Verdacht auf Befall mit Pfriemenschwänzen Behandlung mit einem Pyrantelpräparat und tägliche Hygiene
- Behandlung gegen Dassellarven im Herbst/Winter unabdinglich
Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass die selektive Entwurmung bei ausgewachsenen Pferden machbar und sinnvoll ist, allerdings ist diese Methode mit einem erhöhten Aufwand für die Kotuntersuchungen verbunden. Mittels Eizahlreduktionstest sollte die Resistenzsituation in jedem einzelnen Pferdebetrieb wenigstens alle 3 Jahre überprüft und ein entsprechender Entwurmungsplan aufgestellt werden. Den Basismaßnahmen der Parasitenbekämpfung wie Kot von der Koppel ablesen, nicht überweiden, Düngung mit Kalkstickstoff usw. kommt auf Grund zu erwartender Resistenzentwicklungen eine immer bedeutendere Rolle zu. Diese sollten neben dem Einsatz von Medikamenten Standard in jedem Betrieb sein.
Zur Erarbeitung eines Bekämpfungskonzeptes für Ihren Betrieb in Zusammenarbeit mit Ihrem Hoftierarzt können Sie gerne den Pferdegesundheitsdienst kostenlos in Anspruch nehmen.
Dr. Uwe Hörügel
Pferdegesundheitsdienst
SÄCHSISCHE TIERSEUCHENKASSE
Löwenstr. 7a | 01099 Dresden
Tel: +493518060821 | Fax: +493518060812 | Mobil: +491714836069
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| Kleine Strongyliden im Dickdarm (Dr. Pöhle LUA Dresden) |
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